Gesundheit : Hauptsache gesund

Erwerbsfähigkeit ist nicht nur eine Frage des Alters

Selina Byfield

Immer mehr ältere Bundesbürger arbeiten über das offizielle Rentenalter von 65 Jahren hinaus. Die Zahl der Mini-Jobber im Seniorenalter stieg seit 2002 um knapp 40 Prozent auf mehr als 700 000. Hinzu kamen annähernd 115 000 ältere Menschen arbeiten in einer sozialversicherungspflichten Beschäftigung. Doch immer weniger Erwerbstätige erreichen das reguläre Rentenalter in Beschäftigung, weil sie erwerbsunfähig werden. Was können Unternehmen und Arbeitnehmer für die Erwerbsfähigkeit tun?

Die Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Belegschaften tendenziell und demografisch bedingt immer älter werden. Selbst wenn man – wie bei Unternehmen wie Henkel geschehen – die Nachwuchsförderung ankurbelt. „Wer sein Leben lang nur Pommes mit Majo isst und keinen Sport treibt, kann den anstrengenden Job als Feuerwehrmann mit fünfzig wahrscheinlich nicht mehr machen", sagt Dietmar Schmidhuber Personalleiter beim Konsungüterhersteller Henkel. Deshalb setzt das Unternehmen stark auf das betriebsinterne Gesundheitsmanagement. Es gibt Sportangebote, Anti-Stress-Seminare, Gesundheitsberatungen und Rauchentwöhnungskurse. Außerdem bieten die Werksärzte etwa regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen und Beratungen zur Schlaganfall- und Diabetesprävention an. Und damit die Mitarbeiter auch ihre Ernährung im Auge haben, sind alle Gerichte in den Werkskantinen nach einem Ampelsystem gekennzeichnet: grün steht für leicht und gesund, rot für mächtig und kalorienreich.

Gesundheitsförderung hält auch der selbstständige Unternehmensberater Alexander Frevel für wichtig, „doch das kann nur ein Baustein sein“. Er fordert: „Arbeit muss einfach zu der Person passen, die sie ausführt.“ Wenn man das erreiche, so Frevel, lohne es sich auch für das Unternehmen: „Wenn die Mitarbeiter gesund und am Arbeitsplatz zufrieden sind, arbeiten sie auch effizient – das gilt für alle Altersgruppen.“

Neben einem guten Betriebsklima und der Wertschätzung durch die Führungskräfte, nennt Frevel lebenslanges Lernen als wichtigen Faktor. „Studien haben gezeigt, dass in den meisten Betrieben vor allem Facharbeiter ab 45 Jahren nicht mehr weitergebildet werden.“

Beim Sensorenhersteller Sick AG etwa hat man das längst begriffen. „Man muss den Erfahrungsschatz der älteren Mitarbeiter schätzen und als Ressource verstehen“, sagt etwa Rudolf Kast, Personalchef des Unternehmens mit Hauptsitz in Waldkirch im Breisgau. Damit die älteren Mitarbeiter auch die Lust am Lernen behalten, müsse die Weiterbildung vor allem kontinuierlich und altersgerecht erfolgen: „Man muss beachten, dass Ältere in der Regel langsamer lernen. Dafür gehen sie systematischer an neue Aufgaben heran“, erklärt Unternehmensberater Frevel.

Andere Lebensphase, andere Fähigkeiten. Während die körperliche Funktionen wie Schnelligkeit, Kraft, Hören, Sehen mit zunehmendem Alter schwächer werden, entwickeln sich Fähigkeiten wie Verantwortungsbewusstsein, Urteilsfähigkeit und soziale Kompetenz weiter. Daran sollte sich nach Frevels Ansicht auch die Berufslaufbahn orientieren. „Wenn sich jemand also nicht mehr so lange am Computer konzentrieren kann, warum soll er dann nicht einen Teil seiner Arbeitszeit damit verbringen, den Nachwuchs auszubilden?“ Bei Henkel sei das Gang und Gäbe, so Personalleiter Schmidhuber. Im Unternehmen werde darauf geachtet, dass die Generationen voneinander lernen können: „Bei uns sind die Teams altersmäßig gemischt. So können die Älteren ihr Wissen im Arbeitsalltag direkt weitergeben. Das halten wir für besser, als deren Wissen nur in einer Datenbank zu sammeln“, sagt Schmidhuber.

Und was kann man tun, wenn einem Mitarbeiter im Laufe seines Berufslebens mal wirklich mal die Puste ausgeht? Für diesen Fall hat die Sick AG so genannte Zeitwertkonten eingeführt. Auf diesen können die Mitarbeiter Überstunden ansparen, deren Gegenwert in Geldfonds angelegt wird. Später können sie dieses Geld nutzen, um davon eine längere Auszeit zu nehmen – für Kindererziehung, Weiterbildung oder um einfach mal Urlaub zu machen. Selina Byfield

0 Kommentare

Neuester Kommentar