Gesundheit : Haus für die Haut: FU-Klinik für Dermatologie ist ins US-Hospital umgezogen

Adelheid Müller-Lissner

Alle reden von Schließung, aber in Steglitz wird eine neue Klinik eingeweiht. Geschehen in Berlin noch Zeichen und Wunder? Constantin Orfanos, Direktor der Klinik für Dermatologie des Benjamin-Franklin-Klinikums, spricht immerhin von einem "ungewöhnlichen Ereignis". Doch gefeiert wurde nicht die Eröffnung einer neuen Einrichtung, sondern ein Umzug: Die Hautärzte sind mit Sack und Pack aus dem Haupthaus des Uniklinikums in der Klingsorstraße aus- und in das ehemalige Militärhospital der Amerikaner in der Fabeckstraße eingezogen.

Ernst-Otto Riecken, als Ärztlicher Direktor des Benjamin-Franklin-Klinikums "Hausherr im erweiterten Sinne", erinnerte aus gegebenem Anlass daran, dass die Idee, nach dem Abzug der Alliierten dieses Krankenhaus für die FU zu gewinnen, schon auf das Jahr 1989 zurückgeht. In der Zwischenzeit sah es nicht immer so aus, als könne der gute Plan auch realisiert werden. Das Klinikum benötigt die Außenstelle, damit endlich die Sanierung des Hauptgebäudes am Hindenburgdamm vorankommen kann. Das US-Hospital dient also zugleich als Drehscheibe für die Verlagerung von sanierungsbedürftigen Kliniken. Zeitweilig wurde dem Klinikum nahe gelegt, eher das Oskar-Helene-Heim in Zehlendorf für diesen Zweck zu nutzen - das lag im Interesse der CDU-Politiker des Bezirks Zehlendorf. Dieser Plan hat sich inzwischen jedoch zerschlagen. Der ärztliche Direktor des FU-Klinikums, Ernst-Otto Riecken, hatte dieses Hin und Her schon im April gegenüber dem Tagesspiegel als bedrückend charakterisiert: "Diese elende Diskussion hat uns zwei Jahre aufgehalten. Alle heutigen Engpässe im Stammhaus des Klinikums wären nicht notwendig gewesen, wenn der FU nicht die Mitnutzung des Oskar-Helene-Heims aufgeredet worden wäre." Orfanos dankte Riecken deshalb ausdrücklich für dessen Engagement und "Kreativität in der Argumentfindung gegenüber dem Senat".

Zu den Pluspunkten des ehemaligen US-Hospitals gehört nicht zuletzt, dass von der Infrastruktur einiges übernommen werden konnte. Das Haus präsentiert sich jetzt "neu strukturiert und verbessert", wie Orfanos betonte. In die allgemeine Freude der Mitarbeiter mischen sich nur wenige Wermutstropfen: Die Forschungslabore konnten nicht mit umziehen, und ein kleiner Hörsaal fasst nur 50 Studenten. Die Hauptvorlesung muss also weiter im Haupthaus stattfinden. Für Patienten, die zwischen beiden Häusern pendeln müssen, wurde allerdings schon ein Shuttle-Service eingerichtet. "Die Kontakte werden besonderer Logistik bedürfen", betonte Riecken.

Die "neue" Hautklinik liegt günstig zwischen dem Hauptgebäude des Benjamin-Franklin-Klinikums und einigen für die künftige Zusammenarbeit wichtigen theoretischen Instituten der FU. Über die Nachbarschaft der Klinik zu den Chemikern, Biologen und Pharmazeuten in der Fabeckstraße und zum Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik freute sich anlässlich der Eröffnung FU-Vizepräsident Werner Reutter. Die Chancen für eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Campus Dahlem und dem Klinikum Benjamin Franklin werden dadurch verbessert.

Neuer Komfort: Zimmer mit Bad

Der Dermatologie stehen weiterhin 50 Betten für stationäre Patienten zur Verfügung, doch nun ausschließlich in Ein- und Zweibettzimmern mit Bad. In der Poliklinik, die das ganze Erdgeschoss des Gebäudes belegt, gibt es für ambulante Patienten eine ganze Palette von Angeboten. Dank der Kooperation mit dem ebenfalls hier ansässigen Institut für Lasermedizin wurde das Angebot an Lasergeräten erweitert. Im Bereich der Phototherapie gibt es jetzt eine Spezialdusche, mit der für die PUVA-Therapie lichtsensibilisierende Substanzen direkt auf die Haut gebracht werden können.

Neben der Diagnostik und Behandlung von Allergien ist der "Traum von Schönheit und Jugend" in den letzten Jahren zu einem immer wichtigeren Aufgabengebiet der Hautärzte avanciert. In einer Spezialsprechstunde widmet man sich der Narben- und Faltenbehandlung, dort kann aber auch mit dem Phototrichogramm per Computer genau ausgezählt werden, wie viele Haare auf einem bestimmten Areal des Kopfes wachsen.

Ernstes Anliegen der Dermatologen vom Benjamin-Franklin-Klinikum bleibt aber der Hautkrebs. Mit Bedacht luden sie am Tag des Sommeranfangs ins neue, lichtdurchflutete Domizil, wo Orfanos die Gelegenheit nutzte, um den versammelten Journalisten die wichtigste Botschaft ans Herz zu legen: "Der beste Schutz ist eine Minimierung der Sonnenexpositionsdauer". Denn das maligne Melanom, der "schwarze" Hautkrebs, dem seit 15 Jahren viele Forschungsaktivitäten der Klinik gelten, ist ein "Freikörperschaden". Unter der Einwirkung des UV-Lichts der Sonne verändern sich dabei die pigmentbildenden Zellen der Haut. In einer längeren Entwicklung bildet sich dann das Melanom. Ein "Tumörchen" von wenigen Millimetern Ausdehnung kann schon lebensbedrohlich sein.

Das maligne Melanom ist derzeit die Krebserkrankung, die in der Bevölkerung am meisten zunimmt. Die Behandlungsmöglichkeiten sind immer noch sehr begrenzt, wenn die Tumorzellen sich schon im Körper ausgebreitet haben. Lichtschutzcremes sind, wie Orfanos betonte, ein zwiespältiger Schutz. Denn sie verführen zum längeren Verweilen in der Sonne, führen gleichzeitig aber zur Drosselung der Produktion eines Gens namens p53, das das Wachstum der Tumorzelle reguliert. "Wir nehmen dem Körper also eine wichtige Waffe." Dem Körper eine zusätzliche Waffe im Kampf gegen die bösartigen Zellen zu liefern, beschäftigt sich derzeit eine Forschungsgruppe unter Leitung des Oberarztes Christoph Geilen: Durch einen gezielten Eingriff, der zumindest im Laborexperiment in der Zellkultur schon erfolgreich war, will man den Tod von Tumorzellen beschleunigen.

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