Gesundheit : Heiligsprechen, eislaufen und übrigbleiben Was die Experten an der Reform ändern wollen

Amory Burchard

Die Rechtschreibreform soll noch einmal reformiert werden. Vorgeschlagen hat die Änderungen jetzt eine siebenköpfige Arbeitsgruppe des Rats für deutsche Rechtschreibung. Die Arbeitsgruppe wurde Ende Februar nach der ersten Sitzung des Rates einberufen. Sie ist paritätisch mit den verschiedenen Strömungen im Rat besetzt. Die Experten befassen sich mit den strittigsten Fragen der Getrennt- und Zusammenschreibung. Rechtzeitig bevor die 1996 eingeführte neue Rechtschreibung am 1. August für Schulen und Behörden verbindlich wird, soll der Rat einen Kompromiss erarbeiten, der Bestand hat.

Mit einem Mandat der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sitzt auch der Potsdamer Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg, der renommierteste Kritiker der Rechtschreibreform, in dem Gremium. Eisenberg trägt den jetzt vorgelegten Kompromissvorschlag zu Paragraf 34 der Amtlichen Regelung (siehe Kasten) offenbar mit.

Eine zentrale Neuregelung der Rechtschreibung soll nach dem Vorschlag der Arbeitsgruppe lauten: Wenn eine Wortgruppe „eine neue, idiomatisierte Gesamtbedeutung bildet“, wird zusammengeschrieben. So könnte es nun wieder heiligsprechen und übrigbleiben (im Sinne von keine andere Wahl haben) heißen – wenn der 36-köpfige Rat für Rechtschreibung dem Votum der Arbeitsgruppe folgt.

Nach dem Vorschlag der Arbeitsgruppe sollen künftig auch Wortgruppen wie eislaufen und leidtun ausschließlich klein und zusammengeschrieben werden. Varianten, nach denen die Reformschreibweisen Eis laufen und Leid tun auch auseinander geschrieben werden könnten, will die Arbeitsgruppe nicht zulassen.

Hier widerspricht Theodor Ickler, Sprachwissenschaftler an der Universität Erlangen-Nürnberg: Die Arbeitsgruppe glaube „in leidtun immer noch ein ursprüngliches Substantiv zu erkennen“ und ordne die Verbindung daher falsch ein. Ickler fordert eine Rückkehr zur alten Schreibweise leid tun; die Zusammenschreibung solle „allenfalls zugelassen, aber nicht vorgeschrieben werden“.

Ickler, der als vehementer Gegner der Rechtschreibreform für den Schriftstellerverband PEN im Rat für deutsche Rechtschreibung sitzt, äußert sich grundsätzlich positiv über die vorgeschlagenen Änderungen. Die Vorlage stelle „im großen und ganzen den Zustand, der vor der sogenannten Rechtschreibreform herrschte, wieder her“, schreibt Ickler nach Tagesspiegel-Informationen in einer Stellungnahme. Zu mehreren Punkten mahnt der Sprachwissenschaftler allerdings Varianten an, die die Experten nicht mehr zulassen wollen. So führe es „genau zu jenen Duden-Haarspaltereien zurück, derentwegen man seinerzeit nach Reform gerufen hat“, die Zusammenschreibung in vielen Fällen obligatorisch vorzuschreiben. Amory Burchard

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