Gesundheit : Heilmittel der Zukunft oder moralischer Irrweg?

Hartmut Wewetzer

Für die Öffentlichkeit waren Stammzellen "das" Thema in der Forschung. Und das, obwohl hier zu Lande gar nicht mit jenen mikroskopisch kleinen Zellhaufen geforscht wird, über die unablässig debattiert wurde. Gesprächsrunden, Kongresse, ein Berg von Zeitungsartikeln - alle verbreiteten sich zum Thema Stammzellen und Ethik. Die Bedenkenträger hatten das Wort.

Menschliche embryonale Stammzellen gelten als aussichtsreiche Quelle für neue Therapien gegen schwere Krankheiten. Ärzte und Patienten hoffen auf sie. Ihr Nachteil: Um sie aus einem Embryo zu gewinnen, muss eben dieser zerstört werden.

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Die Herstellung von Stammzellen aus überzähligen Reagenzglas-Embryonen ist in Deutschland untersagt, die Einfuhr formaljuristisch dagegen nicht. Trotzdem entzündete sich am Import der größte Streit. Der Bonner Arzt Oliver Brüstle möchte mit Stammzellen Multiple Sklerose behandeln - zumindest in einigen Jahren. Gegen die Einfuhr hat sich die Enquetekommission des Bundestages zu Recht und Ethik in der Medizin ausgesprochen, für die Einfuhr der Nationale Ethikrat. Im Januar 2002 soll das Parlament befinden.

In den USA sind die Würfel bereits gefallen. George Bush verkündete, künftig Forschung an embryonalen Stammzellen mit staatlichen Mitteln zu fördern - allerdings nur an bereits existierenden Zell-Linien. Forschern erschien das halbherzig, Konservativen ging Bush dagegen viel zu weit. Die Entscheidung des US-Präsidenten ermöglicht es, das Potenzial der Zellen zu prüfen. Wenn Stammzellen halten, was sie versprechen, können die Bremsen immer noch gelockert werden. So wie in Großbritannien, wo nicht nur Stammzellforschung, sondern auch das therapeutische Klonen erlaubt ist - also das Herstellen von Ersatzgewebe, nicht das "Kopieren" eines Menschen.

Ende November konnte dann das amerikanische Biotech-Unternehmen ACT mit der Nachricht aufwarten, den ersten menschlichen Zellklon im Labor erzeugt zu haben. Entstanden waren die Zellhaufen aus einer entkernten Eizelle und dem Zellkern einer Eierstockszelle. Allerdings stellten sie offenbar bald das Wachstum ein. Im Februar veröffentlichten das öffentlich geförderte Humane Genomprojekt und die Firma Celera des Erbgut-Entzifferers Craig Venter eine fast vollständige Sequenz des menschlichen Erbguts - versöhnliches Ende eines harten Wettlaufs. Das öffentliche Projekt publizierte in der Zeitschrift "Nature", Celera (nach langem Tauziehen um die Geheimhaltung) im Fachblatt "Science".

US-Mediziner verpflanzten im Juli erstmals ein vollständig einsetzbares Kunstherz in den Brustkorb eines Todkranken. Das Abiocor-Herz erhält seine Energie nicht mehr durch Stromkabel, sondern "drahtlos" durch die Haut. Der Patient starb fünf Monate später an einem anderen Leiden.

Zum vierten Mal in Folge ging ein Nobelpreis an einen deutschen Wissenschaftler in den USA - den Physiker Wolfgang Ketterle vom Massachusetts Institute of Technology.

Im November berichteten amerikanische Astronomen, erstmals eine Atmosphäre bei einem Planeten außerhalb des Sonnensystems gesichtet zu haben. Insgesamt steigt die Zahl der nachgewiesenen Planeten auf etwa 80. Am 23. März stürzte die russische Raumstation Mir nach knapp 90 000 Erdumdrehungen und mehr als 15 Jahren im All wie geplant ab - Ende einer Ära. Auf dem Asteroiden "Eros" landete die amerikanische Raumsonde "Near". Knapp 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

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