HeilSTÄTTEN : Die Villa am Kleinen Wannsee

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„Der kälteste Ort Berlins“ – so nennen die Mitarbeiter im Immanuel-Krankenhaus Wannsee den Raum im Untergeschoss. Zwei bis drei Minuten verbringen Patienten bei Temperaturen bis zu minus 110 Grad Celsius in der Kältekammer, nur mit Handschuhen, Stirnband, Mundschutz und Badeanzug gewappnet. Die Kältetherapie verschafft Linderung bei chronischen Schmerzen. Das Krankenhaus hat sich mit seinen Standorten in Wannsee und Buch auf Patienten mit Erkrankungen des gesamten Bewegungsapparats spezialisiert, als Spezialklinik für Rheumaorthopädie, Rheumatologie und Naturheilkunde.

Jährlich werden an beiden Standorten insgesamt 7000 stationäre und 21 000 ambulante Fälle behandelt. In Wannsee haben Patienten auch die Möglichkeit, in den Tageskliniken mit Gruppen von bis zu zwölf Personen Therapien über mehrere Wochen zu besuchen.

Hier erinnert vor dem Klinikeingang ein chinesischer Teepavillon daran, dass das ursprüngliche Krankenhausgebäude eine Schenkung von Hermann und Charlotte von Siemens war. Den Pavillon hatten sie von der Weltausstellung im Jahr 1900 aus Paris mitgebracht. Die Sommervilla der Familie am Kleinen Wannsee sollte ein Krankenhaus werden, weil man nach dem Krieg mit einer Epidemie von Kinderlähmung rechnete. Die Epidemie blieb aus, die Villa wurde ein Jugendhospital. Dann verbreiteten sich rheumatische Erkrankungen und bestimmten den neuen Fokus. In den achtziger Jahren kamen Neubauten auf den Nachbargrundstücken hinzu, heute beherbergt die Villa noch den Hauptsitz des Trägers Immanuel Diakonie.

Zur Villa gehört der denkmalgeschützte Immanuel-Park direkt am Kleinen Wannsee, wo morgens schon die ersten Patientengruppen Frühsport machen. Bewegung ist wichtig bei Rheumaerkrankungen. Deshalb riecht es im Untergeschoss des Haupthauses neben der Turnhalle mit den Kraftgeräten plötzlich nach Chlor – das Krankenhaus hat ein eigenes Schwimmbad. Ebenfalls im Untergeschoss ist das „Immanuel Restaurant“, wo Patienten auf Wunsch ihr Essen einnehmen können. Durch Ergotherapie wird die Selbstständigkeit der Patienten weiter unterstützt und wiederaufgebaut, hinzu kommt ein Sozialdienst im Haus.

Oft können die Leiden der Patienten mit Hilfe mehrerer Ansätze gelindert werden. Die unterschiedlichen Abteilungen arbeiten eng zusammen, so auch die konventionelle Schulmedizin mit der Naturheilkunde. Hier setzen die Ärzte auf die Selbstheilungskräfte des Körpers, angeregt etwa durch Wasser- und Pflanzenheilkunde, Ernährungstherapie, Schröpfen und Ayurveda-Medizin.

Auf allen Etagen verzieren wechselnde Ausstellungen meist lokaler Künstler die Klinikwände. Viele Patienten sind die Umgebung schon gewohnt. Ihre chronischen Erkrankungen führen sie immer wieder zurück in die Klinik. Franziska Felber

IMMANUEL KRANKENHAUS

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