HeilSTÄTTEN : Im Landeanflug auf Marzahn

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Ohrenbetäubend laut rattern die Rotorblätter. Rot-weiße Windsäcke flattern wild, als der Hubschrauber zur Landung ansetzt – auf dem Dach des Unfallkrankenhauses Berlin (UKB) in Marzahn, neben dem runden Hangar aus Glas, in dem der hauseigene Helikopter steht, wenn er nicht gebraucht wird. Rund 900 Mal pro Jahr landet ein Hubschrauber auf einem der beiden beheizbaren Landeplätze. Der verletzte Passagier wird schnell per Aufzug ins Erdgeschoss gebracht, in die große Rettungsstelle, durch die jährlich 55 000 Patienten geschleust werden – von 85 000, die insgesamt jedes Jahr im UKB behandelt werden.

Der eher flache Klinikbau des UKB aus beigem Klinker und viel Glas wirkt mit seinem großen gläsernen Eingangsbereich auf den ersten Blick fast wie ein kleiner Flughafen. Die Oberkante des höchsten Gebäudeteils ziert eine Art Bordüre aus orange-weißen Karos, damit die Hubschrauber nicht mit ihr kollidieren. Im neuen Wartebereich der Rettungsstelle hängen Fernseher, die schwarzen Sitzreihen für die wartenden Patienten und Angehörigen könnten auch für Airport-Passagiere aufgestellt worden sein. So ist es kein Wunder, dass Regisseure das Krankenhaus schon als Drehort entdeckten, wenn sie einen Flughafen brauchten. Zuletzt war es in einem Tatort zu sehen.

Die Anmeldekanzel der Rettungsstelle erinnert an ein Ufo. Ein Stück dahinter liegt sozusagen die Flugsicherung der Rettungsstelle: Zwei große Monitore, übereinander angebracht, zeigen nach einer Art Ampelsystem an, welche Patienten welche Art von Behandlung brauchen. Das ganze System ist digitalisiert. Akten aus Papier gibt es hier nicht mehr. Rot sind die Schwerverletzten markiert, die im Schockraum behandelt werden.

Gleich nebenan wird ein neuer Schockraum gebaut: Die Rettungsstelle wird seit einem Jahr erweitert, für zehn Millionen Euro, weil sie für die stetig steigenden „Passagierzahlen“ nicht mehr ausreicht. Der Eröffnungstermin dafür wird aber lieber noch nicht verkündet. Man kann auf den Fluren des UKB scherzhafte Anspielungen auf ein anderes Bauprojekt hören: „BER macht vorsichtig.“

Wer vorn im Schockraum gerettet wurde, wird später oft im hinteren Teil des Krankenhauses weiterbehandelt. Bei der Reha – in den großen Fitnessräumen, der Sporthalle, im  Schwimmbad und an der Kletterwand. Der Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gründete das UKB 1997, Träger ist die Vereinigung Berufsgenossenschaftlicher Kliniken. Das Ziel der Organisationen: die Patienten wieder in den Beruf zu bringen, unter dem Motto „Reha statt Rente“. Manche Patienten bleiben bis zu eineinhalb Jahre hier. Ebenfalls im Reha-Trakt liegt das „Zentrum für Sportmedizin“. Dort werden unter anderen die Basketballer von Alba-Berlin regelmäßig behandelt – bei Routineuntersuchungen und Verletzungen. Sie kommen aber eher nicht mit dem Hubschrauber. Daniela Martens

UNFALLKRANKENHAUS BERLIN

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