HeilSTÄTTEN : Nonnen huschen über die Straße

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Schwester Xaveria guckt ein wenig grimmig unter der Haube hervor: Die Borromäerin war vor 160 Jahren die erste Oberin des St.-Hedwig-Krankenhauses. Heute hängt ihr Bild in den Kolonnaden. Wer durch die Gebäude und Gänge mit ihren so unterschiedlichen Architekturstilen läuft, spaziert auch durch die Geschichte – von der Neogotik bis zur Postmoderne. Jeder kann hereinkommen und das Haus besichtigen. Mancherorts fühlt es sich an wie in einem Kloster. An den Wänden hängen Tafeln mit Texten und alten Schwarz-Weiß-Fotos.

Um 1840 hatte die katholische St.-Hedwig-Gemeinde den Schwestern der Ordensgemeinschaft vom heiligen Karl Borromäus den Auftrag zur Krankenpflege erteilt. Die Nonnen begannen mit nur zwei Betten, damals noch am Alexanderplatz. So entstand das heute älteste katholische Krankenhaus Berlins. Ab 1851 wurde das Haupthaus nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Vincenz Statz an der Großen Hamburger Straße errichtet. Wie ein mittelalterlicher Sakralbau wirken die Backsteinbauten, schon in der Eingangshalle mit der gotisierenden Decke senkt man unwillkürlich die Stimme.

Eine Nonne huscht über die Straße in das kleine Schokoladengeschäft. 1896 gab es hier 48 Ordensschwestern und 16 weltliche Schwestern, die sich um die Patienten in damals 500 Betten kümmerten. Heute arbeiten noch neun Ordensschwestern hier – in der Seelsorge, am Empfang und unterstützend im Servicebereich. Die letzte als Krankenschwester tätige Ordensschwester hat das Krankenhaus 2000 verlassen. Die neun älteren Damen leben auch noch auf dem Gelände.

Religion ist im St.-Hedwig-Krankenhaus an jeder Ecke präsent. Gleich in zwei Kapellen können Mitarbeiter und Patienten beten, unter lateinischen Sprüche wie „Caritas urget nos“ („Die Liebe Christi treibt uns an“). In jedem Zimmer hängt ein Kreuz, das wirkt manchmal etwas düster. In den hellen, freundlichen Neubauten wie dem Bettenhaus „Vinzenz von Paul“, der vor kurzem von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki eingeweiht wurde, fallen die dezenten Kreuze dagegen kaum auf.

Doch im St.-Hedwig-Krankenhaus stößt man nicht nur auf Katholizismus. Auch die evangelische Pfarrerin Cordula Sorgenfrei arbeitet hier als Seelsorgerin. Auf den Fluren laufen Musliminnen mit Kopftuch. Zu den prominenten Patienten gehörte Hildegard Burjan, die hauptsächlich Katholiken bekannt ist – 2012 wurde sie selig gesprochen. „Hier wurden wohl zu DDR-Zeiten auch prominente SED- Größen behandelt“, erzählt Cordula Sorgenfrei. Aber auf deren Namen kommt sie nicht mehr. Daniela Martens

DAS ST.-HEDWIG-KRANKENHAUS

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