HeilSTÄTTEN : Privatklinik mit Hotelgefühl

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Phönix aus der Asche, schwungvoll gezeichnet in einem einzigen Strich, wurde schon vor 13 Jahren mit der Gründung dieses etwas anderen Krankenhauses als Emblem eingeführt. Der Name Meoclinic ist eine wohlklingende Erfindung, sie gehört einem umstrittenen Immobilienunternehmer, residiert auf 4500 Quadratmetern im einst als Büroflucht erbauten fünften und sechsten Stock des Quartiers 206 an der Friedrichstraße. Wer über den flauschigen braunen Flurteppich schreitet, am hellen, warmen Holz der Türen entlang, und in den schicken Einzel- oder Doppelzimmern das edel anmutende dunkle Parkettlaminat wahrnimmt, weißglänzend lackierte Einbauschränke, Ledersessel, erleuchtete Straßenschluchten vorm Fenster: der träumt, im Hotel zu sein.

Das Konzept des 45-Betten-Hauses soll tatsächlich Angenehmes mit Nützlichem verbinden und Krankenhaus-Feeling vermeiden. Angeboten werden Kellner-Service rund um die Uhr, eine vielfältige Speisekarte, TV universal, Video on demand. Aber auch zwei Schwestern pro Patient und ein Team von 50 nicht angestellten Belegärzten, die die Praxisräume via Time-Sharing nutzen und direkt miteinander kommunizieren sollen: so dass bei fachübergreifender Konsultation der irre Instanzen-Parcours entfällt. Man führt Check-ups, ambulante oder stationäre Behandlung durch, Stationsärzte arbeiten hier natürlich auch. Man setzt auf vielsprachig betreute Kunden aus GUS- und arabischen Ländern sowie auf deutsche Privatpatienten. Es gibt OP und eine kleine Intensivstation. Die Schwerpunkte liegen aber auf planbaren orthopädischen, chirurgischen oder ästhetischen Eingriffen, auf internistischen Diagnosen und Kardiologie. Krebstherapie: nicht im Programm.

Christoph Tismer hat in der Meoclinic seinen Tellerwäscher-Aufstieg hingelegt. Vorurteile, es handele sich nur um eine „Tittenbude“ für plastische Eingriffe oder hier seien, hoch über der Shopping-Mall, lediglich reiche Selbstzahler willkommen, kontert er locker. Der 35-Jährige weiß, so sagt er, was seinen Patienten wichtig ist. Ein Wasserbett stelle er niemandem ins Zimmer! Die Russen wollten keinen Kaviar, sondern „deutsche Tugenden“. Angefangen hat Wirtschaftsjurist Tismer hier 2005 als Sitzwache bei einem kuweitischen Jungen nach der Gehirn-OP. Er wurde Trainee der Geschäftsleitung, ist seit 2012 Chef und proklamiert, dass sich alle bis zur Putzfrau in seinem Haus wohlfühlen sollen. Die Auslastung liege bei über 60 Prozent; rosig klingt das nicht. Den Anteil internationaler Selbstzahler würde er gern steigern, von 40 auf 50 Prozent. Wohin hierzulande die Reise mit den Privatversicherten gehe, das sei nun mal ungewiss. Thomas Lackmann

MEOCLINIC

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