Gesundheit : Helfer aus innerer Mission

Die Evangelische Fachhochschule Berlin feiert ihren 100. Geburtstag

Jan-Oliver Schütz

1904 gründete die Evangelische Kirche die Frauenschule der Inneren Mission. Das Ziel: junge Menschen ausbilden, die sich um ihre Mitmenschen sorgen. Heute heißt die Frauenschule Evangelische Fachhochschule Berlin (EFB) und feiert inBerlin-Dahlem ihren 100. Geburtstag.

Das Motiv ist seit damals das gleiche: christliche Nächstenliebe. Das heißt aber nicht, dass die Fachhochschule sich gegenüber allen, die nicht Protestanten sind, abschirmt. „Wir sind offen für alle Konfessionen. Keiner wird auf Grund seines Glaubens abgelehnt, solange er tolerant ist gegenüber anderen“, sagt Professor Hildebrand Ptak, Rektor der EFB. „Aber natürlich haben wir eine spezielle Verantwortung gegenüber der evangelischen Kirche. Alle Studierenden haben Kurse in christlicher Ethik.“ Bewerbungsgespräche gibt es aber nicht. Erst in den Seminaren zeige sich, ob jemand tolerant ist. Mehr als ein Drittel der Studierenden ist nicht konfessionell gebunden.

Die Fürsorge im sozialen Bereich hat in der Evangelischen Kirche Deutschlands eine lange Tradition. „Liebestätigkeit“ wurde sie früher genannt, dann „Innere Mission“ und „Diakonie“. Im Neuen Testament steht „Diakonie“ für den Dienst der Gemeinde an hilfsbedürftigen Nächsten. „Innere Mission“ verstand sich als freies Werk, das in und neben der verfassten Kirche geleistet wurde, während Diakonie den sozialen Auftrag in Verantwortung der Kirche betonte.

Zu tun gab und gibt es genug. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert ließ die Städte wachsen – auf dem Land fanden die Leute oft keine Arbeit mehr. In den Großstädten bildeten sie eine neue Unterschicht. Arbeitslosigkeit, Krankheit und unsichere Alterversorgung betrafen sie besonders. Die Verkündigung der christlichen Botschaft verband sich mit Hilfe aus religiöser Verantwortung.

Aus diesem Geist heraus wurden seit 1904 in Berlin junge Frauen gezielt dafür ausgebildet, sich um die sozialen Probleme allein stehender Frauen und Mädchen in Grostädten zu kümmern. Bertha von Kröcher bot diese Vorbereitungskurse für „christliche weibliche Liebestätigkeit“ im Rahmen des Kapellenvereins an. Nach 1909 entwickelte die „Frauenschule der Inneren Mission“ die Kurse weiter, um den Bedarf an Sozialarbeiterinnen decken zu können.

Der Zweite Weltkrieg und der Nationalsozialismus nötigten die Schule, nach Potsdam umzuziehen. Das Gebäude in Schöneberg war ausgebombt worden. Die Schule musste für einige Monate geschlossen werden. 1945 wurde sie in Dahlem wieder eröffnet. „Dann ging es immer weiter bergauf“, erzählt Ptak. 1971 gründete die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz die Evangelische Fachhochschule.

Die Herausforderungen haben sich seitdem verändert: Der Pflege- und Gesundheitsbereich wurde stark institutionalisiert, betriebswirtschaftliche Kenntnisse spielen in Altenheimen, Krankenhäusern und anderen Pflegeeinrichtungen eine immer größere Rolle. Darauf hat die EFB reagiert – ganz im Sinne der alten Zeit. Was früher Ausbildung zur Liebestätigkeit genannt wurde, hat nun Namen wie Religionspädagogik, Pflegemanagement oder Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession. „Wir wollen unsere Studenten fit machen, soziale Betriebe leiten zu können“, sagt Ptak. Die Schwerpunkte der EFB liegen etwa in den Bereichen Migration, Gewaltpräventation, Jugend und Alter. Aber auch Betriebswirtschaft und Recht stehen auf dem Stundenplan.

Ganz neu und einmalig in Deutschland ist der Bachelor of Nursing – ein berufsbegleitender Studiengang, der ab nächstem Oktober angeboten wird. Während der Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Krankenpfleger wenden die Studierenden theoretisches Wissen praktisch an. Dabei wird dann ein konkreter Fall betriebswirtschaftlich, pflegetechnisch, ethisch und medizinisch durchgearbeitet. Nach drei Jahren erfolgt die Berufsanerkennung, nach vier Jahren erhalten die Studierenden die ersten akademischen Weihen. Das gebe es überall in Europa, nur in Deutschland noch nicht, sagt Ptak. „Wir sind die Ersten.“

Am Freitag, dem 4. Juni, feiert die Evangelische Fachhochschule ab 12 Uhr 30 mit einem Festakt. Dabei tritt der Gospelchor der EFB auf, im Anschluss gibt es einen Gottesdienst. Auch der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, wird sprechen. Auditorium Maximum, Hauptgebäude F, Teltower Damm 118-122.

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