Gesundheit : Herr der Sprachen

Der Anglist Ekkehard König erhält den Max-Planck-Preis

Tom Heithoff

Schon als Kind hat Ekkehard König fremdsprachige Liedtexte gesammelt, auswendig gelernt und nachgesungen. Es war eine „ausgesprochene Liebhaberei“, sagt der 1941 Geborene und muss schmunzeln, wenn er an die gefühlvollen Anfänge seiner Liebe zu Fremdsprachen zurückdenkt. Da war noch nichts mit beruflichen Ambitionen vermischt. Später wurde er Stammgast in den Sprachkursen der Volkshochschulen. Allmählich erwachte sein wissenschaftliches Interesse. Er studierte Anglistik und Linguistik. Aus dem sprachenverliebten Pennäler von einst ist einer der angesehensten Sprachwissenschaftler geworden. König, der seit 1988 am Institut für Anglistik der FU lehrt, hat jetzt den mit 125 000 Euro dotierten Max-Planck-Forschungspreis für internationale Kooperation erhalten: vorläufige Krönung einer Bilderbuchkarriere.

Schätzungsweise 6000 Sprachen werden auf der Welt gesprochen. Ein unbeschreibbares Wirrwarr, möchte man denken. 6000 Grammatiken, 6000 Bedeutungssysteme? So einfach ist die Rechnung nicht. „In der Vielfalt der Sprachen ist ein großes Maß an Einheit erkennbar“, sagt König. Bedeutung werde mit einer sehr begrenzten Anzahl von wiederkehrenden Mustern hergestellt, so dass präzise grammatische Vorhersagen möglich sind. So wird man in jedem Sprachtypus, der zwischen Reflexivpronomen und Hervorhebung unterscheidet (Max schlägt sich – Max selbst) auch reflexive Verbformen finden (Die Tür öffnet sich). Ein Sprachtypus, der diese Unterscheidung nicht kennt (John hurt himself – John himself did it), kommt dagegen ohne reflexive Form aus (the door opens). Königs Forschungsprojekte sind stets international angelegt. Auch in Zukunft will er mit Kollegen aus Paris, Los Angeles, Tokio zusammenarbeiten. Das Preisgeld investiert er in seine laufende Untersuchung, die die Zusammenhänge zwischen Migration, Sprache und Identität in Europa untersucht.

Der Anglist meint, dass von der Weltsprache Englisch auch eine Gefahr ausgehen kann. Die Erfahrung in Europa zeige, dass „Politiker in ihrem Argumentationsvermögen unglaublich verarmen, wenn immer nur in einer Fremdsprache gesprochen wird“. Die Vielsprachigkeit müsse daher in jedem Falle erhalten bleiben. Für wünschenswert hält er „Muttersprache plus zwei Fremdsprachen“.

Praktisch fördert er dieses Ziel, indem die Herkunftssprachen seiner Studenten in das Lehrkonzept mit einbezogen werden. Mitunter sind acht Nationalitäten in seinen Seminaren vertreten. „Welch eine Chance!“, sagt König. „Wenn wir ein sprachliches Phänomen behandeln, bitte ich die Fremdsprachigen, den Satz in ihrer Sprache auszudrücken.“ So fallen Schranken. So kommt erst gar keine Angst auf. So kommt gleich ein Austausch zu Stande. Durch diesen wie selbstverständlich praktizierten Sprachvergleich wird der fremden Sprache „die Bedrohlichkeit genommen“ – die wichtigste Bedingung, um Neugier und Lernmotivation zu erzeugen. König selbst geht mit gutem Beispiel voran. Alle der 6000 Sprachen der Erde werde er wohl nicht mehr zusammenbekommen, aber „Englisch, Niederländisch, Französisch und Schwedisch kann ich schon ganz gut“.

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