Gesundheit : Heuschrecke über Mars

Nasa-Sonde soll mögliche Landeplätze erkunden

Joachim Mahrholdt

Das Ding sieht aus wie eine überdimensionale Heuschrecke und fliegt auch nicht sehr viel höher – für Raumfahrtverhältnisse. Gerade einmal 300 Kilometer werden den MRO (Mars Reconnaissance Orbiter) von der Oberfläche des roten Nachbarplaneten der Erde trennen, wenn er in seine endgültige Umlaufbahn einschwenkt.

Am kommenden Freitag beginnt das komplizierte Manöver, das insgesamt sieben Monate dauern wird. Sollte alles nach den Plänen der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa klappen, dürfte die Sonde gut sein für eine Fülle von Daten, wie sie über den Mars noch nicht gesammelt wurden. Vor allem aber soll MRO mögliche Landeplätze untersuchen, zunächst für weitere Roboterlandungen, aber auch für spätere Astronautenbesuche.

Der Mars ist ein beliebtes Ziel der Raumfahrt. Nach einigen Fehlversuchen gelangen den Amerikanern mit Viking 1 und 2 schon vor 30 Jahren erste Landungen. 1997 fuhr der Roboter Sojourner als erstes mobiles Gerät ein Vierteljahr lang durch den roten Staub der Oberfläche.

Heute umkreisen zwei amerikanische Sonden den Roten Planeten und liefern Daten: Global Surveyor, gestartet 1997 und Mars Odyssey, 2001. Seit Weihnachten 2003 ist mit dem Mars Express auch ein europäisches Gerät im Orbit.

Und auch auf der Oberfläche ist was los: Während das europäische Landegerät Beagle-2 verloren ging, funktionieren die beiden US-Rover Spirit und Opportunity einwandfrei und senden aufregende Bilder vom Boden. Eigentlich sollten sie nur drei Monate lang in Betrieb bleiben; jetzt sind es schon über zwei Jahre.

Wichtigste Aufgabe all dieser Missionen ist die exakte Kartographie des Planeten, dann aber auch die Analyse seiner dünnen Atmosphäre. Die Landegeräte erforschen in erster Linie die Bodenbeschaffenheit, suchen darüber hinaus auch gezielt nach Wasser, das sich gefroren unter der Oberfläche befindet.

Dem Wasser in festem, flüssigem oder gasförmigem Zustand soll auch MRO auf die Spur kommen. „Wenn wir wissen, wo es heute Wasser auf dem Mars gibt und wo es früher war, können wir uns auch an die Frage wagen, ob es dort jemals Leben gab“, sagt Richard Zurek, leitender Wissenschaftler der Mission. Wasser wäre von zentraler Bedeutung für bemannte Missionen in kommenden Jahrzehnten.

Zu deren Vorbereitung ist MRO ein wichtiger Mosaikstein. Seit ihrem Start vor einem guten halben Jahr hat sie eine Reise von knapp 500 Millionen Kilometern zurückgelegt. Mit ihren sechs Instrumenten soll die Sonde bald sowohl das Wetter auf dem Mars täglich dokumentieren, als auch mittels Radar unter die Oberfläche schauen.

Eine hochauflösende Kamera kann noch Objekte von Schreibtischgröße ausmachen und so geeignete Landestellen für weitere Missionen erkunden. Denen soll MRO mit seiner enormen Übertragungskapazität dann auch als Relais dienen. Hat die Sonde ihre endgültige Umlaufhöhe erreicht, vollendet sie alle zwei Stunden eine Umkreisung. Mindestens fünf Jahre lang soll sie arbeiten.

Zukunftsmissionen zum Mars sind bei der Nasa über das Planungsstadium schon hinaus. Die US-Sonden Phoenix Mars Scout und Mars Science Laboratory sollen in zwei beziehungsweise drei Jahren unter anderem die eisigen Regionen an den Polen untersuchen. Dann wollen eigentlich auch die Europäer wieder mitspielen. Ein Schwarm von mehreren Satelliten sowie eine weitere Landemission sind zwar geplant, derzeit aber aus finanziellen Gründen auf Eis gelegt.

Die eigentliche Zukunftsmusik aber soll erst in 20 Jahren spielen, wenn die USA Astronauten auf den Mars schicken wollen...

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