Gesundheit : Hinter den „Eisernen Vorhang“ gucken

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Im Westen nichts Neues? Dann auf in den Osten - „Go East!“. So nennt sich die Initiative, die am Dienstag von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) in Berlin vorgestellt wurde: „Wir waren es in den letzten Jahrzehnten gewohnt, beim Austausch und beim Auslandsstudium fast ausschließlich nach Westen zu blicken.“ Das soll sich jetzt ändern: Bereits in diesem Jahr stellt ihr Ministerium 2,5 Millionen Euro zusätzlich für die Förderung von Hochschulpartnerschaften mit Osteuropa zur Verfügung. In Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der Alexander von Humboldt-Stiftung und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft sollen deutsche Studierende, Graduierte, Wissenschaftler und Praktikanten gefördert werden, die sich entschließen, zu Studienzwecken nach Osteuropa zu gehen.

Statt nach Maine an die Moldau

Denn bisher wandte sich von den rund 50 000 deutschen Studenten, die mindestens ein Semester im Ausland studieren, nur ein Bruchteil den mittel- und südosteuropäischen Ländern zu. Im Gegensatz dazu kamen ein Viertel der 140 000 ausländischen Studenten in Deutschland bereits aus den Ländern der russischen Föderation, vom Balkan und aus den baltischen Staaten. Den „Gegenverkehr“ fördern und Jugendliche für die osteuropäischen Länder zu interessieren sei vorrangiges Ziel, so der Präsident des DAAD, Theodor Berchem. Er sieht „Go East“ als „Zukunftsinvestition für das Gelingen der europäischen Idee“ und zitiert Alexander von Humboldt, der auf seinen Expeditionen durch Sibirien und den Ural reiste. Doch auch über zehn Jahre nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ folgen die wenigsten seinen Spuren. Noch immer sind die USA und Großbritannien die Nummer Eins: Fast jeder zweite deutsche Student im Ausland verbringt ein oder mehrere Semester dort.

Konkret sieht das Programm vor, bestehende Hochschulpartnerschaften auszubauen und ein Netzwerk von hochqualifizierten Gastuniversitäten zu knüpfen, die auch in deutscher oder englischer Sprache lehren. Zudem will der DAAD zusätzliche Stipendien vergeben und insgesamt deutlich mehr auf Förderangebote hinweisen. Einige Universitäten, zum Beispiel in Krakau oder Moskau, arbeiten bereits mit dem „European Credit Transfer System“ (ECTS), wodurch sich Studenten erbrachte Studienleistungen an der Heimatuniversität problemlos anrechnen lassen können. Nicht nur Slawistik-Studenten, sondern alle Fachrichtungen, vom Germanisten bis zum Geowissenschaftler, sollen sich von „Go East“ angesprochen fühlen, wünscht sich Ministerin Bulmahn.

Wachstumsregion Osteuropa

Kerstin Böcker, Personaldirektorin bei DaimlerChrysler Services, meint: „Für Absolventen mit Osteuropa-Kompetenz eröffnen sich neue Chancen.“ Schließlich überflügelte der Außenhandel der Bundesrepublik mit Osteuropa im letzten Jahr bereits den Handelspartner USA. „Führungskräfte mit Kenntnissen dieser Region werden daher gebraucht“, sagt Böcker.

Die Initiative „Go East“ soll vor allem Vorurteile abbauen helfen, schildert Berchem vom DAAD, sowie Universitäten und Studierenden die „Augen für Osteuropa öffnen“.

Juliane von Mittelstaedt

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