Gesundheit : HIV: Ein Leben kostet neun Mark

Justin Westhoff

Medizinische Entwicklungshilfe konkret: In "public-private-Partnerschaft" bemühen sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim darum, die Weitergabe des Aids-Erregers HIV von der Mutter auf das Kind in Entwicklungsländern einzudämmen. Das Ministerium von Heidemarie Wieczorek-Zeul wendet knapp sechs Millionen Mark auf, Boehringer spricht von "mehreren Millionen", die die Firma im Lauf der nächsten drei Jahre beisteuern wird.

Zunächst haben einige afrikanische Länder dem Programm zugestimmt. In großen Teilen Afrikas sind bis zu einem Drittel der Frauen HIV-positiv. Bei rund 30 Prozent der Schwangerschaften in Entwicklungsländern wird das Virus von der Mutter auf ihr Kind übertragen. Das größte Infektionsrisiko besteht während der Geburt. In Ost- und Südafrika kommen an die zehn Prozent aller Neugeborenen mit HIV zur Welt oder erwerben die Infektion (etwa beim Stillen) innerhalb der ersten Lebenswochen.

Die Aids-Therapie ist kostspielig. In Entwicklungsländern ist weder das Geld noch die medizinische Infrastruktur für eine effektive Behandlung vorhanden. Auch Aufklärung über Ansteckungswege und Hilfsmaßnahmen stoßen in Afrika nicht nur auf wirtschaftliche, sondern auch auf kulturelle Hindernisse, bis hin zur Leugnung des Aids-Problems durch Regierungen.

Nach Kenia, Tansania und Uganda haben nun auch Kongo-Brazzaville, Senegal und Ruanda der neuen Kooperation zugestimmt, sagt Julia Kleinmann von Boehringer Ingelheim. Die Betroffenen-Initiative "treatment action campaign" hat die Regierung Südafrikas hingegen verklagt, weil sie bislang die Zustimmung verweigert.

Boehringer gibt ein Präparat, welches das Übertragungsrisiko von Mutter auf Kind senkt, kostenlos ab, eine Behandlung von Mutter und Kind kostet so pro Fall lediglich knapp neun Mark. "Doch angesichts von Gesamtausgaben für Gesundheit in afrikanischen Ländern von höchstens neun Dollar pro Kopf und Jahr wäre auch diese geringe Summe für die dortigen Familien nicht aufzubringen", sagt Ulrich Bienzle, Leiter des Instituts für Tropenmedizin an der Charité.

Boehringer will ferner "sicherstellen, dass die Hilfe auch bei den Frauen ankommt". Die gespendete Summe könne noch nicht genauer beziffert werden, da das Angebot allen Entwicklungsländern offen steht. Ziel des Projektes ist es, in ländlichen Regionen Afrikas die Infrastruktur für die Aufklärung und medizinische Betreuung von werdenden Müttern überhaupt erst zu schaffen. Dazu übernimmt die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit die Ausbildung von Personal und den Aufbau von Gesundheitseinrichtungen. Planung, Diagnostik und Forschung laufen im Berliner Tropeninstitut zusammen.

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