Gesundheit : Hochschul-Finanzierung: Als Geldgeber unverzichtbar

Bärbel Schubert

Unter dem Druck knapper staatlicher Kassen und anhaltender Finanzkürzungen richten sich im Bildungsbereich immer größere Hoffnungen auf private Unterstützung. Was früher der Staat finanzierte, soll künftig von der Wirtschaft, von Privatleuten oder von Stiftungen kommen. Konservative Politiker wie die Kultusministerinnen Annette Schavan und Dagmar Schipanski machen beispielsweise die Einführung von Studiengebühren vom Ausbau eines kompensierenden Stipendiensystems abhängig. Doch aus dem Stiftungsbereich heraus werden die Hoffnungen deutlich gedämpft.

"Private Stiftungen würden eine Kompensation von Studiengebühren kaum leisten können", erläutert Rupert Graf Strachwitz, Direktor des "Maecenata Instituts". "Das ergibt sich schon daraus, dass die Einnahmen aus Vermögenserträgen sich mit der Einführung von Studiengebühren keineswegs erhöhen würden." Ohnehin müsse man sich von der Vorstellung verabschieden, dass private Stiftungen in irgendeinem Hochschulbereich einen quantitativ bedeutenden Beitrag leisten könnten. Strachwitz: "Ihr Wert liegt in den qualitativen Akzenten." Zugleich bescheinigt Strachwitz den Hochschulen Engagement, auch wenn sie mit den bekannten US-Hochschulen nicht konkurrieren können. "Die Universität Harvard hat allein 400 Mitarbeiter zur Spendenaquirierung. In Deutschland wird dafür vielleicht eine halbe BAT 7a-Stelle eingerichtet".

Mit einer Studie bringt das Maecenata Instituts jetzt etwas Licht ins Dunkel der Stiftungsstipendien. Danach vergeben Stiftungen in Deutschland jährlich rund 10 000 Stipendien, die meisten für ein bis zwei Jahre. Die Höhe der Förderung reicht von Beträgen unter 500 Mark bis zu 2000 Mark monatlich, sagte Institutsmitarbeiterin Susanne Rindt bei der Präsentation vor der Presse. Bevorzugte Förderschwerpunkte sind danach Naturwissenschaften und Medizin, während die Geistes- und Sozialwissenschaften einen deutlichen geringeren Stellenwert einnehmen. Befragt wurden rund 400 Stiftungen in der Zeit von Dezember 1999 bis Mai 2000.

Die Daten lassen Reformbedarf erkennen: Die fachlichen Qualifikationen der Bewerber lassen über 70 Prozent der Stiftungen intern feststellen. Nur ein Viertel aller Träger bietet ihren Stipendiaten auch Betreuung, und nicht einmal die Hälfte aller Stipendien verpflichtet den Stipendiaten zur Rechenschaft etwa über eine fertiggestellte Arbeit. Doch viele Informationen geben die Stiftungen auch nicht preis. Das können sie, da Deutschland anders als die USA keine Auskunftspflicht für Stiftungen kennt.

Die Vizepräsidentin der Humboldt-Universität, Barbara Ischinger, sieht die Zeit für eine intensivere Zusammenarbeit von Hochschulen und Stiftungen gekommen. 1200 Stipendiaten schickt ihre Hochschule bereits jährlich ins Ausland. Ischinger: "Das müssen mehr werden und dafür brauchen wir mehr Stipendien."

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