Gesundheit : Hochschulbildung im Ausland: Fliegende Fakultäten

Herrmann Horstkotte

Der Exportweltmeister Deutschland wird jetzt verstärkt auch seine Hochschulbildung im Ausland anbieten. Die Universitäten gehen zu den Nachfragern vor Ort. So hat die Technische Universität München soeben eine "Deutsch-Singapurische Universität" in dem südostasiatischen Stadtstaat gegründet. Angeboten werden - selbstverständlich in englischer Sprache - Master-Studiengänge in Chemie, Telekommunikation, Mathematik und Biotechnologie. Deutsche Postdocs leiten die Labors für Ausbildung und Forschung zusammen mit Kollegen aus Singapur. Auch Professoren von der Isar kommen im Flieger zu mehrwöchigen Blockveranstaltungen in die asistische Metropole. Die obligatorischen Studiengebühren zahlen oft deutsche Firmen, die in Südostasien geeignetes Personal suchen - wie Siemens oder DaimlerChrysler.

Ähnlich geht die Technsiche Universität Dresden vor: In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi baut sie eine fliegende Fakultät für Maschinenbau auf. Die Universität Magdeburg bietet mit der Partneruniversität Donesk in der Ukraine erst einmal einen einzelnen Studiengang, speziell für Elektro- und Informationstechnik an.

Insgesamt neun solcher Hochschulprojekte unterstützt der Deutsche Akademische Austauschdienst in einer dreijährigen Anlaufphase mit knapp neun Millionen Mark. Berliner Hochschulen gehören nicht zu den Begünstigten - sie haben auch keinen offiziellen "Reservestatus" in der zweiten Ausschreibungsrunde mit weiteren drei Millionen, über die Ende Mai entschieden wird. Der Geldsegen für diese Pilotprojekte stammt aus den hundert Milliarden, die Bundesfinanzminister Hans Eichel bei der Versteigerung der Funk-Lizenzen für die nächste Handy-Generation (UMTS) erzielte.

Mit ihren internationalen Angeboten in Kundennähe folgen die deutschen Hochschulen dem Beispiel von australischen und englischen Universitäten vor allem in Südostasien. Wie das Geschäft funktioniert, stellte das Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) jetzt auf einer Fachtagung in Bonn vor. Sozial aufstrebende Familien in Schwellenländern schicken ihre Kinder in der Regel lieber auf ausländische Hochschulen als auf heimische. Aber das kostet viel Geld. Schon aus finanziellen Gründen sind sie daher besonders an "westlichen" Studienangeboten im eigenen Land interessiert: Das Leben in Hanoi ist immer noch billiger als in Berlin oder Bonn. Islamisch geprägte Eltern befürchten zudem oft auch eine unerwünschte "Verwestlichung" ihres Nachwuchses im Ausland und bevorzugen deshalb internationale Studienangebote im eigenen Kulturkreis.

Das Hauptinteresse der ausländischen Bildungsanbieter bringt Anthony Pollock von der australischen Monash University auf den Punkt: "Business, Geldverdienen." Karsten Brenner, Abteilungsleiter im Bundesbildungsministerium, denkt beim Export deutscher Studienangebote nach wie vor auch an den traditionellen "Kulturaustausch" ohne merkantile Gewinnabsichten. Er mahnte die Bildungs- und Wissenschaftsverwalter in Bonn jedoch zugleich: "Wir dürfen beim Wissensexport nicht nur abgeben, wir müssen auch gewinnen. Das Schlagwort dafür heißt Greencard." Nach dem ersten akademischen Abschluss in ihren Heimatländern sollen die Besten an die deutsche Mutteruniversität zur Weiterqualifizierung kommen und anschließend bei deutschen Firmen arbeiten.

Für die deutschen Hochschulen kommt ein Vorteil hinzu: Während sie hierzulande für Bachelor- und Masterstudiengänge keine Studiengebühren erheben dürfen, können sie im Ausland vom ersten Tag an Geld einnehmen.

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