Gesundheit : Hochschule der Künste: Pack die Badehose ein

Anja Schreiber

Sonne, Strand und sommerliche Musik. ... Das zweite Studienjahr "Musical und Show" an der Hochschule der Künste entführt den Zuschauer mit seiner Gesang-Tanz-Schauspiel-Collage in den Sommerurlaub: "Donnerwetter, so ein schönes Badewetter", "Pack die Badehose ein", "Itsy-Bitsy-Teenie-Weenie-Honolulu-Strandbikini".

Auf das Publikum warten 75 vergnügliche Minuten - mit Kontrapunkten. Denn neben den hellen Momentaufnahmen am Strand stehen auch dunkle und melancholische Text- und Liedpassagen. Insgesamt 42 Collageteile von Bertolt Brecht über Arthur Miller bis hin zu "Linie 1" und "Something is Coming" aus der West Side Story fügen sich zu einem ungewohnten, aber stimmigen Ganzen zusammen.

Mit dieser Collage treten sieben Studenten erstmals während ihrer Ausbildung vor ein Publikum. Gleichzeitig gehört die Aufführung zur Zwischenprüfung. Zwei Jahre Unterricht in Gesang, Tanz und Schauspiel haben die jungen Leute schon absolviert. Sie gehören zu einem ausgesuchten Kreis, denn von 150 Bewerber werden pro Jahrgang nur zehn bis zwölf Nachwuchstalente für einen Studienplatz zugelassen. Doch erst nach einem Probejahr wird abschließend über ihre Eignung entschieden. So konnten letztlich nur sieben Studierende am Ende des ersten Jahres ihre Ausbildung fortsetzen.

"Flieg ich?" Diese Frage hatte die Studentin Julia Hecker während des Probejahres immer im Kopf. "Doch die Angst hat unsere Gruppe zusammengehalten. Keiner wollte den anderen rauskicken", berichtet die 23-Jährige. Es sei wie in einer "großen Familie". Trotz aller Anstrengung herrsche ein gutes Klima, auch zwischen Studenten und Dozenten. Von lockerem Studentenleben kann bei den sieben jedenfalls keine Rede sein. Von 10 Uhr morgens bis 22 Uhr abends sind sie in der Hochschule. Morgens steht Tanzunterricht auf dem Programm und abends Proben. Marcus Hezel: "Wir wissen nicht, wann wir einkaufen sollen."

Hezel versteht sich nicht in erster Linie als Musical-Student, sondern als jemand, der in Tanz, Schauspiel und Gesang ausgebildet wird. Nach der Ausbildung steht den Absolventen neben den großen Musicalproduktionen auch das klassische Theater offen. Peter Kock, Leiter des Studiengangs, sieht die Berufsaussichten rosig: "Wir haben unheimlich positive Erfahrungen gemacht." Die Studenten hätten keine Probleme, nach dem achtsemestrigen Studium Engagements zu bekommen, einige sogar schon vorher.

Zurück zum Musical "Donnerwetter!" Das Spektrum zum Thema Liebe, Sehnsucht und Erotik ist weit. Von einer Passage aus Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut" über Nicki Silver bis hin zu Goethes Faust reicht das Repertoire, aus dem der Musical-Nachwuchs schöpft. Die Darsteller beschwören nicht nur die romantischen Seiten der Liebe oder eines Urlaubsflirts. Sehnsucht und Verlassenheit, die ihre letzte Konsequenz in Selbstmordgedanken hat, werden in Szene gesetzt. Doch es wäre eben keine Collage, wenn nicht dieses Thema in dem Lied "Bevor de sterbst" ironisch gebrochen würde. Auch wenn manches Lied wie die Brecht-Ballade vom ertrunkenen Mädchen einen ausgesprochen morbiden Charakter hat, wird niemand im Publikum zur Tiefsinnigkeit gezwungen. Denn bekannte Songs und eingängige Melodien geben dem Ganzen dann doch eine Leichtigkeit, die beim Finale im "Heißer Sommer Medley" gipfelt.

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