Gesundheit : Hochschule: Ohne Englisch geht gar nichts an der internationalen Uni

Eckard Stengel

"In 20 Jahren möchten wir im Kreis der Top-Universitäten der Welt angelangt sein", sagt Fritz Schaumann (FDP), ehemaliger Staatssekretär im Bundesforschungsministerium und frisch gebackener Präsident der privaten "International University Bremen" (IUB). Gestern wurde die IUB durch Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) eröffnet. Deutschland brauche mehr leistungsorientierte, international und fächerübergreifend ausgerichtete Hochschulen und diese müssten "von staatlicher bürokratischer Gängelung unabhängig" sein, sagte Altkanzler Schmidt vor 1 500 Gästen. Die IUB sei dabei auf dem richtigen Weg: "Solche Hochschulen hat Deutschland dringend nötig."

Die IUB ist nicht die erste deutsche Privathochschule, aber sie bietet von allen das breiteste Fächerspektrum: Neben zehn technischen und naturwissenschaftlichen Fächern gibt es auch vier geisteswissenschaftliche Studiengänge. Angehende Naturwissenschaftler müssen bei den Geisteswissenschaftlern schnuppern und umgekehrt. Sowohl die Studenten als auch die Lehrenden kommen aus aller Welt. Deswegen wird auf Englisch unterrichtet. Jeder Student hat einen Professor als "Paten". Sie leben auf dem 30 Hektar großen Uni-Gelände, einer alten Kaserne, deren Stuben zu Appartements umgebaut wurden. In jedem Block wohnt ein Professor als Mentor.

Eine private Elite-Uni ausgerechnet im einst roten Bremen, und dann auch noch mit 230 Millionen Mark Anschubfinanzierung vom SPD/CDU-Senat - da kommt man ins Staunen. Zum Vergleich: Die staatliche Universität Bremen bekommt jährlich knapp 250 Millionen Mark aus der Landeskasse. Deswegen gibt es neben dem Lob auch Kritik. "Privathochschulen müssen im Grundsatz auch privat finanziert werden", forderte Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Andernfalls würden die staatlichen Hochschulen benachteiligt, es drohe eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. "Das ist Wirtschaftsförderung", kontert Bürgermeister Henning Scherf (SPD). Seit dem Konkurs der Vulkanwerft versucht die hoch verschuldete Hansestadt, neue Investoren anzulocken. Die IUB, so hofft Bildungssenator Willi Lemke (SPD), werde dazu beitragen, "den Ruf Bremens als moderner Wissenschaftsstandort zu festigen".

Zusätzlich zur Bremer Finanzspritze sollen Studiengebühren, staatliche und private Forschungsaufträge sowie Spenden den Betrieb finanzieren. Die 500 Millionen Mark Stiftungskapital, die bis Ende 2005 eingesammelt werden sollen, liegen aber noch in weiter Ferne. Bis Ende dieses Jahres rechnet Präsident Schaumann nur mit 83 Millionen. Doch er verspricht, vom Land Bremen "keine müde Mark" Nachschlag zu fordern.

Die ersten 130 von 141 zugelassenen Studenten aus 48 Ländern sind inzwischen eingetroffen. Sie mussten ein anspruchsvolles Aufnahmeverfahren bestehen und fühlen sich jetzt als Pioniere. Die meisten kommen zwar aus Europa, aber selbst bis Tibet drang der Ruf der IUB. Und keiner ließ sich von den Studiengebühren abschrecken: fast 30 000 Mark im Jahr, plus 800 Mark im Monat für Unterkunft und Verpflegung. Wer sich das nicht leisten kann, bekommt ein Stipendium oder Darlehen. "Es soll keine Schule für die Reichen sein, sondern für die Besten", sagt IUB-Sprecherin Beate Wolff.

In Forschung und Lehre arbeiten derzeit 37 Professoren - bisher kommen vier Studenten auf einen Professor. Wenn die Hochschule bis 2005 ihre endgültige Größe mit 1200 Studierenden und 100 Wissenschaftlern erreicht hat, beträgt das Verhältnis immerhin noch zwölf zu eins. An der Universität Bremen teilen sich gut 50 Studenten einen Professor.

Die Neugründung wird auch von prominenten Beratern unterstützt, so von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), seinem früheren US-Kollegen James Baker und Hilmar Kopper, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Im IUB-Aufsichtsgremium unter Leitung des früheren Max-Planck-Präsidenten Reimar Lüst sitzen der einstige Chef der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Wolfgang Frühwald, der frühere Coca-Cola-Spitzenmanager Claus M. Halle und die amtierenden Vorstandschefs Ron Sommer (Telekom), Lothar Späth (Jenoptik) und Ekkehard Schulz (Thyssen-Krupp). Ein edler Spender wurde bereits gebührend gewürdigt: Weil die Krupp-Stiftung zehn Millionen Mark für die erste Studentenwohnanlage stiftete, heißt der Gebäudekomplex jetzt "Alfried-Krupp-College".

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