Gesundheit : Hochschulinstitut für internationale Studien: Diplomaten von morgen

Johanna Wahl

Eine rosafarbene Villa inmitten eines Parks, direkt am Genfer See gelegen - in dieser Idylle tummeln sich die Diplomaten von morgen. Viele Größen aus Politik und Wirtschaft haben am Genfer Hochschulinstitut für internationale Studien (HEI) studiert, auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan.

Die rund 650 Studenten kommen aus mehr als 63 Ländern, unter ihnen zur Zeit acht Deutsche. Allein für den Master-Abschluss bewerben sich jedes Jahr rund 700 Studenten, sagt HEI-Sprecherin Carine Leu, aber nur die 100 Besten werden genommen.

William Rappard und Paul Mantoux gründeten das Institut 1927, um Fachkräfte praxisnah für die Diplomatie auszubilden. Nicht durch Zufall entstand das Institut etwa zur gleichen Zeit wie der Völkerbund, in dessen Gebäude, nur ein paar hundert Meter vom Institut entfernt, heute das europäische Hauptquartier der Vereinten Nationen untergebracht ist.

Ein integrierter Studiengang mit internationaler Geschichte und Politik sowie Wirtschafts- und Rechtswissenschaften wie am HEI ist weltweit nur an wenigen Unis zu finden. "Einzigartig ist natürlich auch der Standort", sagt Florian von König. "Was bringt mir eine exzellente wissenschaftliche Ausbildung in Oxford, weit weg von der Weltpolitik?", meint Jan Stiehle aus Freiburg.

Die HEI-Studenten sind hautnah dran an der Diplomatie. Die Welthandelsorganisation (WTO) ist gleich nebenan. Dort ist die die Instituts-Bibliothek untergebracht. HEI-Studenten können auch die Bibliothek der UN nutzen. Top-Diplomaten wie die einstige UN- Hochkommissarinnen für Flüchtlinge und Menschenrechte, Sadako Ogata und Mary Robinson, halten am HEI Vorträge. Das Institut vermittelt Praktika bei den Vereinten Nationen.

Am HEI wird auf Französisch und Englisch unterrichtet. Die Studienbedingungen sind für deutsche Verhältnisse traumhaft. Auf einen Professor kommen ungefähr 20 Studierende. Viele Lehrbeauftragte haben diplomatische Praxis: etwa der einstige Amnesty-Repräsentant bei den UN in New York, Andrew Clapham, und der ehemalige Rechtsberater des Handelsforums GATT, Ernst-Ulrich Petersmann.

Die Studiengebühren von 1200 Schweizer Franken (rund 1500 DM) pro Semester sind im internationalen Vergleich eher niedrig. Für deutsche Studenten besteht die Möglichkeit eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Die Vereinten Nationen suchen ihre zukünftigen Kaderleute gerne unter den HEI-Absolventen aus. Vanessa Gray aus Münster schreibt noch an ihrer Abschlussarbeit, hat aber schon einen Job bei der Internationalen Organisation für Telekommunikation (ITU). Auch die Privatwirtschaft und Banken wissen die fundierte Ausbildung zu schätzen. Der deutsche Student Stiehle ist bereits bei einer Genfer Unternehmensberatung unter Vertrag. Ein Studium am HEI kann interessante Türen öffnen. Das Institut pflegt ein Netzwerk mit Ehemaligen, die Absolventen beim Einstieg ins Berufsleben Kontakte vermitteln. Mit den Kommilitonen auch über die Studienzeit hinaus in Kontakt zu bleiben, lohnt sich. Schließlich könnte ja ein zweiter Kofi Annan unter ihnen sein.

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