Gesundheit : Hochschullehrer für Mexiko: Private Uni sucht 50 deutsche Jungforscher

Hermann Horstkotte

Mexiko braucht junge Hochschullehrer für Mexiko, vor allem Autoingenieure und Computerspezialisten. Die vermittelt jetzt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) auf Nachfrage der privaten Technischen Universität von Monterrey (ITESM). Die beste mexikanische Hochschule hat internationalen Standard und zahlt 3000 US-Dollar im Monat. Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul legt noch 850 Mark für Rente und Krankenversicherung sowie eine Umzugspauschale drauf. Der Dozent muss promoviert sein, er kann auf Englisch lehren.

DAAD-Generalsekretär Bode unterzeichnete kürzlich einen entsprechenden Vertrag mit ITESM-Rektor Rafael Rangel. Wer von den Bewerbern auf den zunächst fünfzig Stellen zum Zuge kommt, entscheiden gemäß den DAAD-Auswahlverfahren Professoren aus beiden Ländern. Es handelt sich also nicht einfach um eine Jobvermittlung für ohnehin vielgefragte Experten, sondern ganz offiziell um auswärtige Kulturpolitik in einem technologischen "Schwellenland" mit einem wachsenden Bildungsmarkt. Bode betrachtet die Abmachung mit Monterrey nicht zuletzt als eine Ergänzung zum Gastdozentenprogramm des DAAD, über das zurzeit fast 200 ausländische Gelehrte aus vierzig Ländern die Internationalität an unseren Hochschulen fördern.

Die Technische Universität in Mexiko hat insgesamt 85 000 Studenten an 29 Plätzen im Lande und darüber hinaus Zweigstellen in ganz Lateinamerika. Sie bietet Lehrprogramme bis zum Master auch über Internet und Multimedia an. Auf diesem Gebiet ist die Universität in Mexiko weiter als deutsche Hochschulen. Die Verknüpfung von Präsenz- und virtueller Universität ist in Deutschland noch längst nicht so weit. Der zusätzliche Aufwand verursacht aber Kosten - die Studierwilligen zahlen 3500 US-Dollar an Gebühren pro Semester.

Vom neugewählten mexikanischen Staatspräsidenten Fox, der soeben die "Partei der institutionalisierten Revolution" nach siebzig Jahren Herrschaft in freien Wahlen verdrängte, verspricht sich die Hochschulleitung weitere Schubkraft für einen technologischen Aufschwung. Gegenwärtig sind Vertreter der mexikanischen Hochschule in ganz Westeuropa unterwegs, um Professorennachwuchs zu rekrutieren. Deutsche Spezialisten sind vor allem wegen der Zusammenarbeit der technischen Universität mit den Mexiko-Töchtern von VW, Audi und Siemens gefragt.

Insgesamt bestehen bereits fünf Partnerschaften zwischen Monterrey und deutschen Hochschulen. Dichter sind die Beziehungen selbstverständlich mit nordamerikanischen Universitäten, allerdings auch mit Frankreich. Jeder zweite Student der Elite-Uni soll künftig ein Auslandssemester verbringen. Gegenwärtig sind 3500 unterwegs, davon 1000 in Europa.

Deutsche Dozenten in Mittelamerika könnten nicht zuletzt das Gaststudium zwischen Rhein und Oder fördern. In den nächsten zehn Jahren soll sich nach dem ehrgeizigen Wunsch des DAAD-Präsidenten Theodor Berchem der Anteil ausländischer Studierender in Deutschland auf zehn Prozent verdoppeln. Deshalb baut der DAAD zusammen mit dem Goethe-Institut gerade in Mittelamerika ein Studienberatungsnetz auf. Das Lockangebot aus Deutschland: Inzwichen gibt es mehr als dreißig "auslandsorientierte Studiengänge" auf Englisch - hauptsächlich in den Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften.

Die deutschen Hochschulen werden sich von der "Einkaufstour" der Mexikaner geschmeichelt fühlen, zugleich könnte sie ein guter Tipp sein, das eigene Personal öfter global zu rekrutieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben