• Hochschulpolitik muss mehr sein als Sparen Für mehr Studenten brauchen die Fachhochschulen auch mehr Stellen Von Herbert Grüner Foto: promo

Gesundheit : Hochschulpolitik muss mehr sein als Sparen Für mehr Studenten brauchen die Fachhochschulen auch mehr Stellen Von Herbert Grüner Foto: promo

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In den letzten Monaten wurde Hochschulpolitik im Land Berlin vor allem unter finanzpolitischen Vorzeichen betrieben. Dabei war Sparen das wesentliche Ziel. Allerdings ist weniger vom Ansparen die Rede gewesen, also vom gegenwärtigen Verzicht, um später umfangreich in den Hochschulen investieren zu können. Es ging vielmehr darum, gegenwärtig und künftig zugunsten des Landeshaushaltes insgesamt an den Hochschulen Verzicht zu üben. Ergebnisse dieser finanzpolitisch akzentuierten Hochschulpolitik sind entsprechend die neuen Hochschulverträge mit deutlich niedrigeren Budgets, das Studienkontenmodell und die geplante Verschärfung der Lehrverpflichtungsverordnung. Das alles ist für ein Land mit Haushaltsnotstand so verständlich wie es für eine Stadt der Wissenschaften problematisch ist.

Sparen darf aber nicht das Hauptziel der Berliner Hochschulpolitik bleiben. Es bedarf nun nach weitgehender Festlegung der Einsparsummen konkreter Vorstellungen über die künftige Gestaltung der Hochschullandschaft Berlins, deren Aufbau, Umbau und neues Aussehen. Dabei sollte man realistisch davon ausgehen, dass es kaum mehr möglich sein wird, die ursprünglich geplanten 85000 Studienplätze im Land langfristig zu erhalten. Wenn es schon nicht mehr möglich ist, diese Zielzahl zu halten, sollte man sich an die Gestaltung der verbliebenen quantitativen und qualitativen Möglichkeiten machen. Dazu gehört sowohl die Klärung der Frage, wie viele Hochschulen Berlin insgesamt haben soll als auch die abschließende Beurteilung doppelt angebotener Studiengänge und die Aufteilung der Studienplatzkapazitäten zwischen Fachhochschule einerseits und Universität andererseits.

Wenn Berlin anstrebt, das gegenwärtige Verhältnis von circa 22 Prozent der Studienplätze an den Fachhochschulen zu circa 73Prozent an den Universitäten wesentlich zugunsten der Fachhochschulen zu verändern, dann müssen jetzt rechtzeitig die Weichen gestellt werden. Und es muss klar gesagt werden: Wenn die Gesamtzahl der Studienplätze im Land eher sinkt als steigt und an den Fachhochschulen Studienplätze aufgebaut werden, dann folgt daraus zwingend der Abbau an den Universitäten. Gerade die Pensionierungswelle an den Universitäten in den kommenden Jahren wäre geeignet, nicht nur Studienplätze umzuschichten – sondern auch Stellen. Eine Chance wäre vertan, wenn jetzt dieses Zeitfenster im Zuge kurzfristiger Einsparwünsche oder ungeklärter Absichten nicht genutzt würde.

Dieses Zeitfenster existiert auch noch in anderer Hinsicht. Gegenwärtig zeichnet sich der Trend ab, dass Universitäten mit dem Aufbau von praxis und berufsorientierten Bachelorstudiengängen beginnen. Also in Felder der akademischen Ausbildung eindringen, die bisher von den Fachhochschulen bearbeitet worden sind. Wird nicht rechtzeitig überprüft, warum diese Ausbildung nun auch an den Universitäten erforderlich ist, entstehen auf diese Weise eventuell über einen relativ langen Zeitraum neue Doppelangebote ähnlicher Studiengänge. In Zeiten enger Budgets wäre das mehr als fragwürdig. Zudem muss man befürchten, dass die Profile der Hochschultypen auf diese Weise verwässert werden. Auch mangelnde Trennschärfe ist ineffizient!

Es spricht zwar nichts gegen den Neuzuschnitt von Aufgaben verschiedener Hochschultypen. Doch sollte dies im Rahmen einer politischen Grundsatzdiskussion geschehen und nicht durch die Macht faktischer Einzelentscheidungen einzelner Hochschulen. Ausstattungs-, Kosten- und Leistungsvergleiche sind bei der Entscheidungsfindung sicher hilfreich, sagen aber an sich nichts aus, wenn nicht der nötige politische Bezugsrahmen geklärt wird. Dass der für 15 Jahre angelegte Strukturfonds zur Finanzierung der Verlagerung von Studienplätzen an Fachhochschulen bereits im zweiten Jahr seines Bestehens wieder in Frage gestellt wird, ist kein Zeichen strategisch ausgerichteter Politik. Vielmehr sollte sich die Hochschulpolitik nun nach der weitgehenden Klärung der Sparbeiträge um eine inhaltliche Diskussion bemühen. Die Hoffnung, Einsparmaßnahmen seien bereits eine Strategie, wird genauso enttäuscht werden wie die Vorstellung, dass durch private, selbst ernannte Elitehochschulen in Berlin eine Wettbewerbsarena entstehen wird, in der Strukturprobleme quasi von selbst gelöst werden.

Der Autor ist Präsident der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin.

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