Gesundheit : Hochschulranking: Berlins Unis in der Spitzengruppe selten

Anja Kühne

Schnell und intensiv studieren - wo geht das am besten? Angehende Deutschlehrer sind in Siegen, Trier, Konstanz und Eichstätt besonders gut aufgehoben, einen Bogen sollten sie eher um die Berliner Humboldt-Universität, die Uni Bonn und die Uni Erlangen-Nürnberg machen. Das haben die Zeitschrift "Stern" und das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in ihrem großen Ranking unter 78 deutschen Hochschulen festgestellt.

Im Lehramtstudium Germanistik erzielen die erstgenannten Hochschulen durchgängig gute Werte was die Ausstattung betrifft, außerdem empfinden die dort Studierenden den Kontakt zu den Lehrenden als gut und loben die Studienorganisation. Entsprechend fällt ihr Gesamturteil positiv aus. Die vier Hochschulen, die gemäß der Umfrage unter 18 000 Studierenden und 1400 Professoren von 78 deutschen Hochschulen das Schlusslicht bilden, liegen in diesen Punkten unterhalb der Mittelwerte. In Berlin erreicht die Freie Universität in der Ausbildung der Deutschlehrer die Spitzengruppe bei dem Kriterium "Studienorganisation". Im Mittelfeld liegt sie bei der Ausstattung, in der Schlussgruppe hinsichtlich des Kontakts zu den Lehrenden. Dennoch geben ihr die Studierenden insgesamt mittlere Noten. Das gilt auch für die Humboldt-Universität.

Wo gibt es die besten Werte?

Vergleicht man die Germanistikstudiengänge ohne die Lehrerausbildung, in denen etwa 46 000 Studierende bundesweit eingeschrieben sind, ergibt sich ein anderes Bild. Am häufigsten erreichen die Germanisten in Bielefeld, Freiburg, Göttingen, Konstanz und Tübingen die Spitzenwerte in den fünf wichtigsten Kriterien. Die Uni Eichstätt, die für ihre Lehrerbildung noch hochgelobt wurde, bekommt von den Professoren eine Absage. In der Forschung erreichen die Eichstätter Germanisten nur das Mittelfeld.

In die Schlussgruppe gehört gemessen an diesen beiden Kriterien auch die Reform-Uni Greifswald: Die Mehrheit der Professoren würde ihren Kindern hier kein Germanistikstudium nahelegen, auch in der Forschung ist die Uni Schlusslicht - dabei gehört sie im Gesamturteil der Studierenden in die Spitzengruppe. Das entspricht einem durchgängigen Trend der Untersuchung: Kleine Hochschulen werden von den Professoren meist schlechter bewertet als von den Studierenden. Im Berliner Vergleich schneidet die Germanistik der FU am besten ab: Weil sie bei den Empfehlungen der Professoren und bei der Zahl der Promotionen in die Spitzengruppe kommt, empfiehlt der "Stern" forschungsorientierten Studierenden, hier zu studieren.

Im Fach Geschichte ohne die Lehrerausbildung erreicht die Humboldt-Uni beim Professorentipp und der Zahl der Publikationen Spitzenwerte, die Freie Universität das Mittelfeld. Beim Kriterium Ausstattung und auch nach dem Gesamturteil der Studierenden reichte es bei der Humboldt-Universität jedoch nur für die Schlussgruppe. Die Technische Universität Berlin schaffte es nur in die Mittel- und Schlussgruppen. Bundesweit am schlechtesten schneidet die Humboldt-Universität allerdings in der Ausbildung der Geschichtslehrer ab, während die Freie Universität im Mittelfeld liegt. Am besten sind künftige Lehrer nach der Hitliste in Konstanz aufgehoben, andere Historiker in Freiburg und Trier. Bundesweit gibt es in diesem Fach rund 28 000 Studenten.

Ebenfalls gehört das Lehramtsstudium Anglistik an der Humboldt-Universität nach dem Ranking in allen vier wichtigen Kriterien in die Schlussgruppe: Das Studium ist offenbar schlecht organisiert, die Ausstattung mangelhaft, der Kontakt zu den Lehrenden schwer herzustellen. Entsprechend fällt das Gesamturteil der Studierenden schlecht aus.

Genauso negativ wird nur noch die Anglistik der Uni Münster beurteilt. Überwiegend mittelmäßig schneidet die Anglistik der Berliner Unis insgesamt ohne die Lehrerausbildung ab: 24 000 junge Menschen studieren dieses Fach in Deutschland. Diejenigen, die sich an der Humboldt-Uni eingeschrieben haben, verweisen ihre Uni allerdings in die Schlussgruppe. Gute Werte in der Forschung erzielt dagegen die Amerikanistik an der Freien Universität.

51 000 angehende Pädagogen studieren in Deutschland. Im Durchschnitt sind sie 30 Jahre alt, wenn sie die Hochschule verlassen, um ins Berufsleben einzutreten. Anders ist das an der Uni Tübingen, deren Erziehungswissenschaften auch sonst bundesweit am häufigsten in den Spitzengruppen mitspielen - Seite an Seite mit denen der Humboldt-Universität, bei denen es in der Ausstattung allerdings nur für die Schlussgruppe und nach der Ansicht der Studierenden nur für die Mitte reicht. Überwiegend im Mittelfeld liegen FU und TU.

Das fünfte Fach, über das die Hochschulforscher in diesem Jahr ihre Forschungsergebnisse veröffentlichen, ist die Psychologie. Die Uni Jena schaffte es hier bundesweit am häufigsten, in eine Spitzengruppe zu kommen. Überdurchschnittlich gut schnitt auch die Universität Potsdam ab, selbst wenn sie in der Forschung und in der Empfehlung durch Professoren nur Mittelwerte erreichte. Die Psychologie an den Berliner Universitäten wird als mittelmäßig bis schwach beurteilt. Die kurzen Studienzeiten an der Humboldt-Universität gehören aber bundesweit zur Spitze.

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