Gesundheit : "Hochschulraum Europa": "In Fahrt gekommen" - Wissenschafts-Staatssekretär Catenhusen im Interview

Zwei Jahre nach der ersten Konferenz in Bologna ha

Die europäischen Bildungsminister haben sich auf weitere Schritte zu einem "Hochschulraum Europa" verständigt. Bei einer Konferenz am 18. und 19. Mai in Prag verabschiedeten die Minister aus 29 europäischen Staaten dazu ein "Prager Kommuniqué" mit ihren Vorhaben. Dazu gehört, vergleichbare Hochschulabschlüsse für einen leichteren Wechsel innerhalb Europas zu schaffen. Zur nächsten Tagung treffen sich die europäischen Bildungsminister 2003 in Berlin.

Als offizieller Start gemeinsamer europäischer Hochschulreformen gilt die Bildungsministerkonferenz vor zwei Jahren in Bologna. Damals haben sich die Minister darauf verständigt, europaweit Studiengänge in zwei Stufen zu gliedern und die Abschlüsse Bachelor und Master einzuführen. Dieser Prozess soll nun fortgesetzt werden. Bei der Qualitätssicherung der Studienangebote wollen die beteiligten Länder künftig zusammen arbeiten. Angestrebt werden auch gemeinsame europäische Studiengänge. Wissenschafts-Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen (SPD) hat die Bundesrepublik in Prag vertreten.

Zwei Jahre nach der ersten Konferenz in Bologna haben die europäischen Bildungsminister die nächsten Reformschritte für den Hochschulraum Europa verabredet. Was ist aus Ihrer Sicht dabei der wichtigste Fortschritt?

Eine entscheidende Frage beim Bologna-Prozess der europäischen Hochschulreformen ist: Wie kann der Studienstandort Europa im weltweiten Vergleich attraktiver werden? Dazu wollen die beteiligten Staaten künftig europaweit bei der Qualitätssicherung zusammenarbeiten. Wir wollen aber keine neue europäische Akkreditierungsagentur schaffen, sondern ein Netzwerk der nationalen Akkreditierungseinrichtungen. Denn künftig wird es immer wichtiger, ob Hochschulabsolventen in Europa Vergleichbares lernen. Das muss man auch in den Zeugnissen erkennen können.

Wie weit sind die deutschen Hochschulen mit ihrer "Europäisierung" vorangekommen?

Die kommt in Fahrt. Das kann man an den 660 neu geschaffenen Bachelor- und Master-Studiengängen in Deutschland erkennen. In Nordrhein-Westfalen hat darüber hinaus in diesem Jahr erstmals ein hochrangiges Expertengremium die neue Studienstruktur für ein ganzes Bundesland empfohlen. In Zukunft muss wohl entschieden werden, ob die gestuften Abschlüsse (Bachelor/Master) weiter neben den alten Abschlüssen Diplom und Staatsexamen bestehen oder sie ersetzen sollen. Darüber werden die Bildungsminister wahrscheinlich in zwei Jahren in Berlin diskutieren. Im Übrigen hat sich in Prag gezeigt, dass die Umstellung der Medizin- und Jura-Studiengänge dabei kein ausschließlich deutsches Problem ist.

Von einem Studienstandort Europa und der Mobilität der Studenten war im "Bologna-Prozess" schon viel die Rede. Wird es in absehbarer Zeit einen Arbeitsmarkt Europa auch für Wissenschaftler geben?

Das ist noch Zukunftsmusik, wenn auch eine logische Konsequenz aus dem bisherigen Einigungsprozess. Dafür muss vorher aber noch der rechtliche Rahmen geschaffen werden. Die Vorbereitung muss die EU leisten. Vom Wechsel des Arbeitsplatzes sind meist spätere Rentenansprüche betroffen. Deshalb geht es um viel Geld. Da liegt das Hauptproblem, allerdings auch bei Arbeitsplatzwechseln innerhalb der Bundesrepublik. Für die Studenten soll es beim Studienraum Europa aber schon jetzt einen Schritt weiter gehen und die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse verbessert werden. Als Konsequenz aus der europaweiten Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen sollen künftig auch europäische Studiengänge entstehen. Auch dazu brauchen wir eine gegenseitig anerkannte Zulassung (Akkreditierung) der Studiengänge.

Hat sich der bisherige Arbeitsrahmen der Bildungsministerkonferenz bewährt?

Die EU-Kommission wird künftig stärker einbezogen und aus der bisherigen Beobachterposition zum Teilnehmer werden. Auch die Studenten konnten wir dazu gewinnen. Schon bisher hatten wir die EU-Beitrittskandidaten Polen, Ungarn, Slowenien und Rumänien dabei. Kroatien, Zypern und die Türkei kommen jetzt dazu.

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