Gesundheit : Hochschulreform: Habilitation wird entbehrlich - Bulmahn legt Eckpunkte für Dienstrecht vor

Bärbel Schubert

Die Bundesregierung will die Habilitation als Qualifikation für eine Professur abschaffen. Statt dessen soll mit der geplanten Reform des Hochschullehrer-Dienstrechts eine neue "Juniorprofessur" eingeführt werden. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) stellte gemeinsam mit Innen-Staatssekretärin Brigitte Zypries am Donnerstag in Berlin Eckpunkte der Reform vor.

Kernstück der Reform ist die Einführung einer neuen Besoldungsstruktur für Professoren mit leistungsabhängigen Anreizen. Sie sollen künftig rund ein Viertel ihres Gehalts abhängig von ihrer Leistung bekommen. "Professoren haben jetzt die Chancen mehr, aber auch die Möglichkeit weniger zu verdienen", erläuterte Bulmahn. Sie glaube, dass eine nennenswerte Zahl jüngerer Professoren von dieser Möglichkeit Gebrauch machen wird. Grundsätzlich gilt die Neureglung nur für diejenigen, die ihr Amt neu antreten.

Die Zeit für grundlegende Umstellungen an den Hochschulen drängt, da in den nächsten Jahren fast jeder zweite Professor in Pension geht. Die Ministerin mahnte die Kritiker der Novelle: "Wir müssen die Chance des Generationenwechsels für die Erneuerung der Hochschulen nutzen."

Nach Bulmahns Plänen soll es künftig nur noch drei Professorenämter an den Hochschulen geben. Der Juniorprofessor soll die Gehaltsstufe W1 mit einem Grundgehalt von 6000 Mark bekommen, das nach drei Jahren auf 6500 Mark aufgestockt werden soll. Alle anderen Professoren werden nach den Stufen W2 und W3 besoldet, die die alte Besoldungsstruktur mit den Ämtern von C1 bis C4 und den Dienstaltersstufen ersetzen sollen. Bulmahn: "Wir belohnen damit nicht mehr die Treue zum Staat, sondern wollen gute Lehre und Forschung honorieren."

Ein W2-Professor kann nach dem jetzigen Planungsstand mit einem Grundgehalt von 7000 Mark monatlich rechnen. Daraus kann mit Leistungszulagen ein durchschnittliches Monatsgehalt von rund 9000 Mark resultieren. Für die höchste Stufe W3 ist bei einem Grundgehalt von 8500 Mark eine Durchschnittsbesoldung von rund 11 600 Mark vorgesehen. Die bisherige Obergrenze für die inidviduelle Besoldung der Professoren von rund 17 900 Mark soll in Einzelfällen für besondere Koryphäen mit Zustimmung des Landes aufgehoben werden.

Besonders qualifizierte Wissenschaftler sollen künftig auch an Fachhochschulen die höchste Besoldungsstufe aushandeln können, sofern die Länder dies wünschen. Bisher war die höchste Besoldung den Universitäten vorbehalten. Die Länder entscheiden auch über Beibehaltung oder Abschaffung des Beamtenstatus ihrer Professoren.

Als Kriterium für die Leistungszulagen sind Leistungen in Forschung und Lehre sowie ausgeübte Funktionen etwa als Rektor oder Dekan vorgesehen. Außerdem werden Aufbau und Leitung von Sonderforschungsbereichen sowie besondere Verdienste bei der Erfüllung des Gleichstellungsauftrags berücksichtigt. Leistungsabhängige Zulagen können auch bei Berufungsverhandlungen ausgehandelt werden.

Die Juniorprofessur soll nach Bulmahns Worten künftig "im Regelfall" die Einstellungsvoraussetzung für eine Universitätsprofessur werden. Alternative Qualifikationswege über berufliche Tätigkeit oder wissenschaftliche Arbeit im Ausland bleiben erhalten. Die Juniorprofessur wird am jeweiligen Fachbereich angesiedelt statt wie bisher bei einem Professor. Ihre Dauer ist auf zwei mal drei Jahre begrenzt.

Ziel der Neuregelung ist es, die Qualifikationszeiten zu verkürzen. Die jungen Professoren sollen künftig etwa Mitte 30 ihre erste Berufung erhalten. Heute ist dies durchschnittlich erst nach dem 40. Lebensjahr der Fall. Die wissenschaftlich kreativste Lebensphase darf auch nicht durch enge Abhängigkeiten gedrosselt werden.

Dazu soll auch beitragen, dass ein Doktorandenstatus künftig im Hochschulrahmengesetz des Bundes verankert wird. Die Promotion wird in der Regel in ein entsprechendes Studium eingebettet. Für die Fachbereiche sind stärkere Verpflichtungen vorgesehen, für diese Qualifikationsphase verbindliche Angebote zu schaffen. Das Promotionsstudium muss nach diesen Plänen künftig grundsätzlich nach als drei Jahren abgeschlossen sein. Nun müssen noch die Länder dem neuen Dienstrecht zustimmen.

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