Gesundheit : Hochschulreform: Universitäten wollen Studenten aussuchen

Heiko Schwarzburger

Wenn sich die Rektoren und Präsidenten der deutschen Hochschulen treffen, fallen manchmal lyrische Sätze: "Die Neuordnung von Hochschulen ist mindestens so schwierig wie die Neuordnung von Friedhöfen, weil Sie mit der Beteiligung der Betroffenen nicht rechnen können." Mit dieser Umschreibung seiner Erfahrungen mit Hochschulreformen konnte Dietmar von Hoyningen-Huene, streitbarer Rektor der Fachhochschule Mannheim, seine Amtskollegen bei ihrer Jahreskonferenz in Mannheim aber doch noch zum Lachen bringen.

Rektoren wollen Reformmotor sein

Denn unter Reformdruck stehen sie alle: Über kurz oder lang wird kaum ein Lehrstuhl von den Veränderungen verschont bleiben. Leistungsbezogene Besoldung, neue Abschlüsse und reformierte Studienpläne sind in aller Munde. Sogar jahrzehntelange Erbhöfe sind in Gefahr: Die Hochschulen fordern mehr personelle, finanzielle, wissenschaftliche und juristische Autonomie vom Staat. "Das alltägliche Hineinregieren in die Belange einer Universität durch die Ministerien muss endlich aufhören", forderte Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Diese präsentierte sich in Mannheim als Motor der Hochschulreform. Landfried forderte die Bundesregierung ausdrücklich auf, die Reform des Dienstrechts weiter voran zu treiben. Damit grenzten sich die Rektoren vom Deutschen Hochschulverband ab, der als Berufsorganisation der Universitätsprofessoren mit einer großangelegten Unterschriftenaktion gegen die Reformpläne protestiert.

Die Rektoren begrüßten dagegen die Juniorprofessuren, die künftig den Nachwuchswissenschaftlern frühere wissenschaftliche Selbstständigkeit eröffnen sollen. "Aber es darf keine Automatismen geben, diese Leute nach fünf Jahren in eine ordentliche Professur zu übernehmen", warnte Kurt Kutzler, Vizepräsident der TU Berlin. Der HRK-Präsident sprach den meisten Rektoren aus der Seele, als er mehr Geld forderte: "Eine kostenneutrale Reform des Dienstrechts wird es nicht geben." Erfahrungen in Bayern und Baden-Württemberg zeigten: Wer die fähigsten Köpfe berufen will, muss tief in die Tasche greifen, bei den Gehältern wie bei der Forschungsausstattung. Die Stimme der HRK hat in der Diskussion Gewicht, weil sie 257 Universitäten und Fachhochschulen vertritt, die rund 98 Prozent aller Studenten ausbilden.

Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde der Auftritt von Peter Frankenberg, Rektor der gastgebenden Universität Mannheim und bisher HRK-Vizepräsident, erwartet. Er tritt als neuer Wissenschaftsminister in Baden-Württemberg die Nachfolge von Klaus von Trotha (CDU) an. In seiner ersten öffentlichen Rede seit der Nominierung für das Ministeramt deutete Frankenberg an, dass er die Reformen seines Vorgängers weiterführen will und forderte: "Es wird in Deutschland keine internationale Spitzenuniversität geben, wenn wir unsere Studenten nicht selber auswählen können." In Bayern ist die Auswahl der Studenten für neue Studiengänge bereits erlaubt. "Daran führt auch bei uns kein Weg vorbei", meinte Wolfgang Loschelder, Präsident der Potsdamer Universität. "Wir müssen unsere Studienbewerber schon vor Studienbeginn besser beraten." HRK-Präsident Klaus Landfried mahnte: "Wir haben bereits einen weltweiten Wettbewerb um die besten Forscher und die besten Professoren. Wir brauchen auch den Wettbewerb um die besten Studenten." Die Konsequenz dürfte klar sein: Die Massenuniversität ist ein Auslaufmodell. Die Rektoren wollen ganz auf die Eliten setzen. "Irgendwann werden wir auf diesem Wege auch zu Studiengebühren kommen", prophezeite Stefan Marcinowski, Forschungschef bei der BASF in Ludwigshafen. Von der Bundesregierung erwarten die Rektoren zudem, dass sie ausländischen Forschern und Studenten den Aufenthalt in Deutschland erleichtert.

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