Gesundheit : Hochschulreform: Was in den USA anders ist

I. F.

In den USA gilt es im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland nicht als gesamtstaatliche Verpflichtung, den Zugang zu Bildung und Wissenschaft grundsätzlich für alle Bürger und Bürgerinnen offen zu halten. Dementsprechend gibt es bei der amerikanischen Bundesregierung kein Ministerium für Bildung und Wissenschaft oder eine vergleichbare Instanz, die unmittelbaren Einfluss auf das Hochschulsystem hätte. Lediglich die Bundesstaaten haben begrenzte Aufsichtsbefugnisse und Gestaltungsmöglichkeiten. Die Hochschullandschaft in den USA ist somit wie das gesamte Bildungswesen dezentral organisiert und nicht durch Rahmengesetzgebungen vereinheitlicht.

Das Federal Government setzt aber ebenso wie das Parlament (Congress) seine politischen Prioritäten durch die Bereitstellung von Geldern für bestimmte Förderzwecke. Das U.S. Department of Education ist als nationale Behörde für die Umsetzung der Programme zuständig. Bei der Forschungsförderung, vor allem im Bereich der Naturwissenschaften und des Ingenieurwesens, ist die National Science Foundation (NSF) von zentraler Bedeutung. Als regierungsunabhängige Institution, verteilt sie nicht nur etwa 3,3 Mrd. US-Dollar pro Jahr auf 20 000 Projekte, sondern kann auch die Höhe der Fördermittel für diesen Bereich auf Bundesebene festlegen.

Es wird breit akzeptiert, dass sich die geförderten Schwerpunkte mehr oder weniger in der Auseinandersetzung der Politik mit den verschiedenen Interessengruppen herauskristallisieren. So wundert es nicht, dass sich in Washington DC eine Fülle von privaten und anderen (Lobby-)Organisationen des Hochschul- und Wissenschaftsbereichs tummelt, die alle versuchen, Politik und öffentliche Meinung zu beeinflussen. Spötter sagen, es gebe für jedes Problem den passenden Verband. In der Tat ist ihre Zahl kaum überschaubar. So gibt es auch Stimmen, die kritisieren, dass sich ohne eine konkrete gesamtstaatliche Verantwortung für das Bildungswesen die Politik leichter aus der Verantwortung stehlen kann, vor allem dort, wo es keine starken Interessengruppen gibt oder bestimmte Entscheidungen nicht populär erscheinen. In der Tat lehnen einzelne Bundesstaaten wie Kalifornien und Texas die Sondermaßnahmen des Federal Government zur Frauenförderung und zur Förderung ethnischer Minderheiten (Affirmative Action) ab und setzen sie seit einigen Jahren nicht um.

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