Gesundheit : Hoffnung der Mediziner auf Ersatz für Transplantate

Gideon Heimann

Die Hornhaut ist die transparente Hülle des Auges, sie ist direkt der Umwelt und damit vielen Krankheitserregern, aber bei Unfällen auch mechanischen und chemischen Angriffen ausgesetzt. Wird die Hornhaut nur leicht beeinträchtigt, kann sie sich trüben. Der restliche Augenkörper dahinter, also auch die Netzhaut, erhält dann weniger Licht, vor allem aber diffus gebrochenes. Und damit ist die Fokussierung vermindert.

Hoffnung besteht durch eine Transplantation dieser dünnen Deckschicht des Auges, die Verstorbenen entnommen wird. Seit rund 50 Jahren ist dieses Verfahren in der Augenheilkunde weit verbreitet, es findet bundesweit etliche tausend Mal pro Jahr statt. Allerdings kann es hierbei zu Komplikationen kommen, zum Beispiel dann, wenn das Auge auf das Transplantat reagiert, als handele es sich um Fremdgewebe - es gibt eine immunologische Abstoßung.

Die Augenklinik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) hat nun gemeinsam mit dem interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung eine künstliche Hornhaut auf der Basis von Silikon entwickelt. Die Tests mit Zellkulturen sind nach Angaben der RWTH zufriedenstellend verlaufen. Erste Implantationen am Menschen stehen unmittelbar bevor.

Dieses Material ist ein Polymer aus Gruppen von Siliziumoxid und Kohlenwasserstoffen. Es ist fast ebenso elastisch wie die menschliche Hornhaut und bietet gute optische Eigenschaften. Zudem wird es vom Auge nicht als Fremdkörper erkannt.

Die Forscher konnten aber nicht einfach ins Regal der verfügbaren Substanzen greifen. Denn Silikon ist wasserabweisend, was das Anwachsen der Prothese erschweren kann. Deshalb wurde die Oberfläche des Materials chemisch so verändert, dass das körpereigene Bindegewebe an den Verbindungsstellen einen besseren Halt findet. An der gezielten Veränderung der Materialeigenschaften wirkten Mitarbeiter des Lehrstuhls für Textilchemie und Makromolekulare Chemie der RWTH mit. Zu sehen sind die Arbeiten in der Messe-Halle 18, Stand M12.

Nach Einschätzung von Professor Heinrich Bleckmann, dem Leiter der Abteilung Augenheilkunde an der Schloßparkklinik in Berlin-Charlottenburg, ist die Aachener Arbeit sehr interessant. Damit böte sich die Chance, von Transplantaten Verstorbener unabhängig zu werden. Allerdings werden noch viele Operationen und eine lange Nachuntersuchungszeit notwendig sein, um die Fähigkeit zur breiten Anwendung der Technik zu beweisen.

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