Hoffnungsträger embryonale Stammzellen : Leben umprogrammieren – im Kampf gegen Krankheiten

WAS SIND STAMMZELLEN?



Vor zehn Jahren glückte es James Thomson von der Universität von Wisconsin erstmals, menschliche embryonale Stammzellen herzustellen. Genauso alt ist die Debatte, ob es ethisch vertretbar ist, aus frühen Embryonen Stammzellen zu entnehmen und damit diese Lebewesen zu zerstören. Thomson hatte die Stammzell-Linien aus Embryonen, die bei der künstlichen Befruchtung übrig geblieben waren, erzeugt. Die Stammzellen teilten sich unbegrenzt und konnten sich in verschiedene Gewebeformen umwandeln. Solche Zellen nennt man pluripotent. Adulte Stammzellen, auf die Gegner der Forschung an embryonalen Zellen hoffen, können ebenfalls Gewebe nachbilden. Allerdings sind sie nicht so wandlungs- und vermehrungsfähig. Eine Blut-Stammzelle bildet in erster Linie Blut. Im Körper des Erwachsenen sorgen adulte Stammzellen dafür, dass verbrauchtes Gewebe ersetzt wird.

WOZU BRAUCHT MAN SIE?

Ob Alzheimer, Parkinson, Diabetes, Querschnittlähmung oder Herzinfarkt – bei diesen Krankheiten stirbt Gewebe ab oder wird geschädigt, so dass die Organe nicht mehr richtig funktionieren. Forscher hoffen, aus embryonalen Stammzellen Ersatzgewebe zu züchten. Zudem könnte man an so hergestelltem Gewebe Medikamente testen. Noch gibt es aber keine Therapie auf Stammzellbasis.

WAS IST HEUTE MÖGLICH?

Mit der richtigen Mischung aus Wachstumsfaktoren können embryonale Stammzellen bereits in Nerven-, Herz-, Blut- und Leberzellen oder Insulin produzierende Bauchspeicheldrüsen-Zellen verwandelt werden. Im Tierversuch wurden aus Stammzellen entwickelte Zellen erfolgreich transplantiert – zum Teil sogar mit heilendem Effekt. Shinya Yamanaka von der Uni Kyoto gelang es im November 2007, menschliche Hautzellen in einen Zustand zurückversetzen, in dem sie embryonalen Stammzellen ähnelten. Könnte man auf diese Weise maßgeschneiderte Stammzellen herstellen, wäre das ein großer Durchbruch. Denn Stammzellen, die nicht aus eigenen Körperzellen stammen, werden – wie transplantierte Organe – möglicherweise abgestoßen. Auch US-Stammzellpionier James Thomson und der Deutsche Rudolf Jaenisch vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge forschen an der Rückprogrammierung. Um die Methode weiterzuentwickeln, benötigen die Forscher allerdings weiterhin embryonale Stammzellen. Denn in ihnen steckt das Geheimnis zur Pluripotenz. Bis eine Therapie möglich wird, ist es noch ein weiter Weg. Die Methode birgt auch Gefahren: Um Zellen umzuprogrammieren, muss man ihnen nämlich mit Retroviren Gene einschleusen. Und diese Viren können Zellen auch zum Tumorwachstum anregen. (dal)

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