Gesundheit : Hopp oder Job? Es gibt noch Last-Minute-Angebote auf dem Reise- und dem Arbeitsmarkt

Anja Kühne

Die Semesterferien sind eine schweißtreibende Zeit, so oder so. Die einen schwitzen auf der Baustelle, die anderen am Strand. Wer es bislang versäumt hat, sich einen Job oder ein Flugticket zu sichern, hat immer noch Chancen, in Wallung zu kommen - auf dem Reisemarkt allerdings bessere als auf dem Arbeitsmarkt.

"Die Lage ist nicht so gut", heißt es düster aus dem Studenten-Service des Berliner Arbeitsamts, "langfristige Ferienjobs zu finden ist zur Zeit sehr, sehr schwer." Schon im Dezember habe man einen regelrechten Run auf das Amt erlebt - auch von Studierenden aus anderen Bundesländern, die glaubten, in Berlin sei das Angebot an Jobs besonders groß. "Dabei geht es seit zehn Jahren kontinuierlich bergab. Die Konkurrenz ist nach der Maueröffnung größer geworden. Und der Bedarf auf den Baustellen sinkt, weil die Hauptstadt zum guten Teil fertig gebaut ist", erklärt der Mitarbeiter. Das Arbeitsamt empfiehlt den Studierenden Eigeninitiative: "Nehmen Sie sich das Branchenbuch, und rufen Sie einfach Firmen an."

Nicht ganz so dramatisch bewertet Ratko Djokic, Geschäftsführer der studentischen Arbeitsvermittlung "effektiv" an der Technischen Fachhochschule, die Lage: "Sie könnte aber besser sein." Generell sei die Job-Vermittlung im Winter schwieriger: "Die Gastronomie kommt erst in schwung, wenn die Sonne scheint."

Andererseits habe der Winter der Job-Vermittlung soeben vierzig Angebote für Kartenabreißer und Ordner beschert, die beim "Ice-Speed-Way"-Rennen im Wilmersdorfer Eis-Stadion gebraucht werden. Die Plätze sind allerdings schon vergeben. "Außerdem gibt es immer wieder ein paar gute Jobs in Call-Centern, wo man für eine Stunde 18 Mark bekommt", sagt Ratko Djokic.

Für die Arbeitgeber sind Studierende besonders attraktive Arbeitskräfte: Für sie müssen keine Beiträge in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung eingezahlt werden, Rentenversicherungsbeiträge werden nur fällig, wenn die Studierenden mehr als 50 Arbeitstage in zwölf Monaten arbeiten. Die studentischen Arbeitsvermittlungen (auch die "Heinzelmännchen" und die "Tusma") erledigen allen anfallenden Papierkram.

Kleine Sonnenlöcher am Jobhimmel melden auch die "Heinzelmännchen" an der FU: "Seit der letzten Woche kommen wieder etwas mehr Angebote rein", berichtet ein Mitarbeiter. Täglich warteten mindestens sechzig Studierende auf Vermittlung. Die meisten kämen als Möbelpacker, Kraftfahrer oder bei guten Witterungsbedingungen auch zunehmend wieder als Bauhilfe unter. Studentinnen fänden vor allem als Putzfrau, Zimmermädchen oder Hostess Arbeit. Für mehrere Wochen könne man als Nachtportier, Pflegehilfe oder Lastwagenfahrer unterkommen. "Wer wirklich will, kann Geld verdienen, selbst wenn es nur 15 Mark die Stunde sind", meint ein Mitarbeiter.

Studierende, die den Tanz ums goldene Kalb lieber erst nach dem Urlaub beginnen wollen, können zu dieser Jahreszeit besonders gute Schnäppchen bei Last-Minute-Anbietern finden (viele haben in den Gelben Seiten inseriert): Am kommenden Sonntag bietet etwa die "Berliner Last Minute Company" (Telefon 885 40 31) Flüge nach Mallorca für 249 Mark, nach Malaga für 388 Mark an. Vierzehn Tage im Drei-Sterne-Hotel auf Mallorca kosten inklusive Flug 512 Mark. Allerdings müssen die Reisenden Überraschungen mögen, denn sie dürfen das Hotel vorher nicht im Katalog ansehen. Vor einer vierzehntägigen Reise in ein tunesisches Drei-Sterne-Hotel mit Halbpension für 539 Mark rät die Reisekauffrau der "Last Minute Company" ab: "Bei einem solchen Preis wäre ich skeptisch." Warum? Gibt es Kakerlaken oder Baulärm? "Das wäre möglich."

Reisen in richtig pralle Hitze kosten im Last-Minute-Tarif meist zwischen 1800 und 2100 Mark. Mit "Last Minute Tours Berlin" (Telefon 851 12 22) reist man am 24. Februar sogar schon für 1698 Mark in ein Drei-Sterne-Hotel der Dominikanischen Republik. Vierzehn Tage Entspannung auf Jamaica im Zwei-Sterne-Hotel sind gar für 1509 Mark zu haben. Für Städtereisen gibt es keine Last-Minute-Preise. "Studententarife sind aber durchaus überall möglich", erklärt die Mitarbeiterin, "das hängt allerdings vom Ziel und der Fluggesellschaft ab." Jugendtarife gelten oft nur für 24- oder 25jährige, gelegentlich auch noch für 29jährige. Manche Reiseveranstalter transportieren auch reife Studierende bis etwa 34 Jahre noch günstiger. Wer noch älter ist, kann unter Umständen trotzdem billig fliegen: Bucht man zwei Wochen im voraus, kostet ein Flug nach London etwa 250 Mark - das ist günstiger als der Studententarif.

Und wer weder auf dem Job- noch auf dem Reisemarkt einen Platz ergattert, schwitzt eben zu Hause: über den Seminararbeiten.

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