Gesundheit : Humboldt-Uni will Zusage von Wowereit

Uwe Schlicht

Die Berliner Humboldt-Universität bereitet sich unter Hochdruck auf den Elitewettbewerb vor. Und sie fordert den Regierenden Bürgermeister auf, sich klar zur Finanzierung des Wettbewerbs zu bekennen. Nach dem derzeitigen Stand der Verhandlungen wird der Bund 75 Prozent des Elitewettbewerbs zahlen, und die Länder werden 25 Prozent dazugeben.

Wowereit solle erklären, ob das Land die Gegenfinanzierung leistet, wenn eine der drei Landesuniversitäten als Spitzenhochschule erfolgreich ist, sagte gestern HU-Präsident Jürgen Mlynek vor dem Akademischen Senat. Mit Äußerungen auf der Ebene von Referenten des Wissenschaftssenators könne man sich nicht zufrieden geben. Mlynek machte folgende Rechnung auf: Eine Graduiertenschule solle mit einer Million Euro gefördert werden, ein Forschungscluster mit acht Millionen Euro pro Jahr. Wenn dann noch eine Hochschule den Status einer Spitzenuni zuerkannt bekommen sollte, kämen weitere zehn Millionen Euro hinzu. Das summiert sich für eine Spitzenuniversität auf einen zusätzlichen Förderbetrag von mindestens 19 Millionen Euro.

Mlynek und sein Haushaltsexperte Frank Eveslage machten deutlich, dass die Humboldt Universität nicht – wie beim Hochschulbau üblich – an Stelle des Landes Berlin die Gegenfinanzierung aufbringen könne. Dazu sei der Globalhaushalt zu weit ausgeschöpft. Mlynek: „Eine andere Lösung als die Gegenfinanzierung durch das Land Berlin kann es gar nicht geben.“

Die Humboldt-Universität sei heute schon mit 17 Graduiertenkollegs die führende Universität in Deutschland, betonte Mlynek. Sie erwarte, dass dies bei dem Wettbewerb um Graduiertenschulen berücksichtigt wird. Außerdem hat die HU seit kurzem neun Sonderforschungsbereiche – eine gute Ausgangsbasis für den Wettbewerb um Forschungscluster. Aber wenn sie durch den Wissenschaftsrat als Eliteuniversität anerkannt werden soll, braucht sie auch eine zukunftweisende Struktur und Universitätsverfassung. Beides soll im Sommer 2005 beschlossen werden.

Das bedeutet eine Neugliederung der Fakultäten und eine Professionalisierung der Dekane. Bisher stehen der Unileitung, die sich um das Management kümmert, Honoratioren gegenüber, die für zwei Jahre an die Spitze der Fakultäten gewählt werden. Jürgen Mlynek möchte auch die Dekane stärker in das Management einbinden, und zwar durch eine Verlängerung ihrer Amtszeit auf vier Jahre und ihre permanente Vertretung im Akademischen Senat. Den Studentenvertretern passt das gar nicht. Sie sprechen bereits von „verfehlten neoliberalen Schlagwörtern“ und „einem Verstoß gegen das Prinzip der Gruppenuniversität“.

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