Gesundheit : Humboldt-Universität: "Das Elend des Lehramtes" - Erste Ergebnisse der Studiengangsevaluation

Tilmann Warnecke

Studenten der Humboldt-Universität haben den Lehramtsstudiengängen ein schlechtes Zeugnis erteilt: Denn angehende Lehrer haben die meisten Probleme mit langen Studienzeiten. Das hat eine Befragung von mehr als 10 000 Studierenden und Lehrenden ergeben. Weiteres Ergebnis der Evaluation, bei der zwei Drittel des Lehrangebotes der Universität unter die Lupe genommen wurden: Neben der Prüfungsorganisation ist die Erwerbstätigkeit der Studenten der Grund für lange Studienzeiten.

"Studienverlängerung ist Unialltag", betonte HU-Vizepräsident Heinz-Elmar Tenorth bei der Vorstellung der Ergebnisse. Mehr als zwei Drittel aller HU-Studierenden überschreiten die Regelstudienzeit um mindestens ein Semester. Das ist nichts Neues, die Differenzierung nach Fachrichtungen und Abschlüssen aber brachte unerwartete Ergebnisse: "Das Elend des Lehramtes" (Tenroth) lautet das eindeutige Fazit der Evaluation. Denn während in Diplom- oder Magisterstudiengängen etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Absolventen die Regelstudienzeit um mehr als fünf Semester überziehen, sind es bei Lehramtsstudenten mehr als 25 Prozent, in manchen Fächern sogar bis zu 35 Prozent. Die "törichte, hinderliche" Prüfungsordnung des Staatsexamens sei der Hauptgrund für diesen Missstand: "So sorgt der Staat für die schlechten Daten, die er uns dann vorhält." Die Lage für Studenten mit Abschlüssen wie Magister und Diplom sah Tenorth nicht ganz so dramatisch. Zwar habe sich die durchschnittliche Studiendauer an der Humboldt-Universität seit 1995 verlängert, im Vergleich zu anderen Bundesländern liege sie aber unter dem Schnitt.

Das Elend des Lehramtstudiums offenbart sich auch bei der Frage, zu welchem Zeitpunkt Studienverzögerungen auftreten. Während bei Naturwissenschaftlern das Vordiplom die Hürde darstellt, beurteilten Lehramtsstudenten die Phase kurz vor dem Examen als die größte Verzögerung.

Bei den Ursachen für die Studiumsverzögerung wurden die Studenten nach studienbezogenen und allgemeinen Gründen gefragt. Eindeutiges Ergebnis bei den allgemeinen Ursachen: das Geld. Mehr als die Hälfte aller HU-Studenten jobbt sowohl in den Semesterferien als auch in der Vorlesungszeit. Angesichts dieses "dramatischen Befundes" sah Tenorth hier den Staat in der Verantwortung: "Der Zusammenhang zwischen Studienfinanzierung und Studiendauer ist unübersehbar." Intern kritiserten Studenten Defizite in der Studienorganisation. So wurden Angebotsdefizite an Lehrveranstaltungen, schlechte Struktur der Studienordnungen neben Motivationsproblemen am häufigsten als Verzögerungsgründe genannt, zu hohe Studienanforderungen dagegen selten. Auch hier zeigten sich abschlussbezogene Unterschiede: Auf einer Skala von 1 (hat nicht zur Verzögerung beigetragen) bis 5 (in großem Maße) bewerteten Lehramtsstudenten der Naturwisssenschaften die ungünstige Prüfungsorganisation mit 3,3, ihre Kommilitonen mit Diplomabschluss dagegen nur mit 2,0.

Als erste Maßnahmen will die HU die Modularisierung von Studieninhalten fortsetzen, Tutorenprogramme verstärken und einen Fonds zur Prämierung guter Lehre einrichten. Auch in den Lehramtsstudiengängen sah Tenorth erste Besserungsanzeichen: "Das Land Berlin will zum ersten Mal ernsthaft über die bisherige Form des Staatsexamens nachdenken."

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