Gesundheit : Humboldt-Universität: Das Konzil der HU hört weitere Kandidaten für das Präsidium

Heiko Schwarzburger

Heute wählt das Konzil der Humboldt-Universitäten die vier neuen Vizepräsidenten, die dem Präsidenten Jürgen Mlyneck in den kommenden Jahren zur Seite stehen werden. Um das Amt des Ersten Vizepräsidenten bewirbt sich Frank Eveslage (50), bislang Verwaltungschef der Universität. Der versierte Fachmann für Haushalt, Personal und Verwaltung arbeitete seit 1994 als rechte Hand des Kanzlers. Derzeit führt er dessen Amtsgeschäfte. Künftig will die HU ganz auf ihren Kanzler verzichten, der Stellvertreter des Präsidenten soll den Haushalt führen.

Kein leichtes Geschäft, denn die Haushaltslage der Universität ist dramatisch: "Wir haben nach wie vor einen erheblichen Personalüberhang, für den keine staatlichen Mittel zur Verfügung stehen", sagte Frank Eveslage. Er bezifferte das Defizit beim Personal im vergangenen Jahr auf knapp drei Millionen Mark, dafür muss die Universität aus anderen Töpfen einstehen. Deshalb gibt es seit Jahren kaum noch neue Berufungen. "Ich möchte erreichen, dass wir künftig wieder mehr Leute an die Hochschule holen können", nannte Eveslage sein wichtigstes Ziel. Zurzeit bezahlt die Humboldt-Universität 51 Dozenten zur Vertretung unbesetzter Professuren, um den Lehrbetrieb überhaupt aufrecht zu erhalten. Eveslage will die Verantwortung für die Besetzung neuer Stellen in die Hände der Institute legen, allerdings in enger Absprache mit dem für den Haushalt zuständigen Vizepräsidenten.

Die Forschung zu stärken und der Universität international zu mehr Anerkennung zu verhelfen, dies schreibt sich die Hannoveraner Biochemikerin Sabine Kunst (46) auf die Fahnen. Sie habilitierte vor zehn Jahren in der Abwasserbiologie, lehrte in Hannover, Darmstadt und Hamburg und arbeitete am Umweltbundesamt zu Grundsatzfragen der Abfallentsorgung. "Die Universität hat noch Reserven, wenn es um Forschungsmittel aus der Europäischen Union geht", betonte sie. "Vor allem die Geisteswissenschaftler müssen bei Forschungsprojekten in den Naturwissenschaften stärker beteiligt werden. Diese enge Verbindung ist eine Chance für die Humboldt-Universität."

Mit den geistes- und sozialwissenschaftlichen Instituten in Berlin-Mitte und den Naturwissenschaften im 20 Kilometer entfernten Adlershof steht die Humboldt-Universität vor einem schwierigen Spagat. Hans Jürgen Prömel (47) lehrt an der Universität seit 1994 als Professor für Algorithmen und Komplexität. Seit einem Jahr leitet er das Institut für Informatik, das mittlerweile ebenfalls nach Adlershof umgezogen ist. Um die Brücke zwischen Berlin-Mitte und Adlershof zu schlagen, setzt er auf neue Technik. "Es ist kein Problem, in Adlershof gehaltene Vorlesungen auch nach Mitte zu übertragen", sagte er. "Die Hörsäle dafür stehen zur Verfügung." Schon während des Studiums will er die Studenten an aktuelle Forschungen heranführen. Prömel beabsichtigt, die so genannten kleinen Fächer zu stärken, beispielsweise die Altertumswissenschaften. Der Wissenschaftsrat hatte kürzlich empfohlen, diese Fächer der Humboldt-Universität und der Freien Universität in einem Berliner Zentrum für Antike zu vereinigen.

Der Zivilrechtler Wolfgang Voegeli (54) von der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg gilt als Spezialist für Entwicklungsplanung und internationale Studiengänge. Er plädiert für eine "Kultur der Innovation", für die das neue Präsidium gemeinsam Sorge tragen müsse. Er will der Universität neue Geldtöpfe eröffnen, unter anderem durch Sponsoring, Verträge mit der Wirtschaft und internationale Kooperationen mit anderen Universitäten. Voegeli will die Entscheidungsträger in den Fakultäten stärker in die individuelle Verantwortung nehmen.

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