Gesundheit : Humboldt-Universität: Die Statuten sind zurückgekehrt

Deutlicher kann das Signal nicht sein. Die Humboldt-Universitäts-Gesellschaft, eine Vereinigung der Freunde der Humboldt-Uni, hat einen neuen Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. In beiden Fällen fiel die Wahl auf zwei Spitzenmanager: Vorsitzender ist der Unternehmer Hartwig Piepenbrock und stellvertretender Vorsitzender das Vorstandsmitglied der Schering AG, Günter Stock. Reimar Lüst, der renommierte einstige Präsident der Max-Planck-Gesellschaft und der Alexander von Humboldt-Stiftung gab aus Altersgründen das Amt auf und begründete auch die neue Perspektive. Man sei sich in der Gesellschaft einig gewesen, dass jetzt eine Persönlichkeit aus der Wirtschaft an der Spitze stehen soll.

Der Hintergrund ist klar: Der Staat spart an allen Enden und gibt für die Hochschulen in Berlin nicht das, was die Wissenschaft braucht. Die Hochschulen sind immer mehr auf Gelder aus der Wirtschaft angewiesen. Das bisherige Spendenaufkommen der Humboldt-Universitäts-Gesellschaft ist relativ bescheiden: In den vier Jahren seit 1996, in denen Reimar Lüst an der Spitze stand, wurden Spenden in Höhe von 275 000 Mark eingeworben. Aber das Geld reicht für die Bestandspflege der Grimm-Bibliothek und neuerdings für den Erwerb eines unersetzlichen Dokuments, das lange Zeit als verschollen galt: Die Statuten aus dem Gründungsjahr 1810. Sie waren 1945 von einem Studenten erworben worden, der sie einem Sowjetsoldaten abgekauft hatte. Das Geheime Staatsarchiv hat die Statuten vor einem Jahr bei einer Auktion erworben, die Humboldt-Universitäts-Gesellschaft erstattete dann den Kaufpreis. Am Montagabend wurden sie der Universität übergeben. Die Statuten galten 150 Jahre lang an der späteren Friedrich-Wilhelms-Universität. Erst am 31. Oktober 1816 waren sie der Universität übergeben worden, versehen mit dem Siegel von König Friedrich Wilhelm III. und der Unterschrift seines Staatskanzlers Hardenberg. U.S.

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