Gesundheit : Humboldt-Universität: Ein Nobelpreis nach Berlin?

Bärbel Schubert

Die Humboldt-Universität will in den nächsten nächsten zehn Jahren den Anschluss zu den internationalen Spitzenuniversitäten wie Oxford, Cambridge und Stanford schaffen. "Die Humboldt-Universität hat in ihrer Geschichte 29 Nobelpreisträger hervorgebracht. Da müssen wir wieder hinkommen", sagte ihr Präsident, Jürgen Mlynek, in einem Vortrag beim Siemens-Forum. "Wenn das eine Hochschule in Deutschland kann, dann die Humboldt-Universität".

"Sonst hätte ich auch in Konstanz bleiben können", fügte der anerkannte Physiker hinzu, der an seiner früheren Hochschule eine Gruppe von rund 50 Wissenschaftlern geleitet hat. Diese Forschung will er auch in Berlin fortsetzen. "Kluge Köpfe ziehen andere kluge Köpfe an" - dieser Grundsatz gelte besonders für die Hochschule. Dafür müssten geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden, etwa bei der Berufspraxis der Professoren. Bisher werde eine frei werdende Stelle ausgeschrieben, dann kämen oft mehr als hundert Bewerbungen. Die Neubesetzung könne dabei bis zu zwei Jahren dauern. "Statt dessen muss sich die Hochschule frühzeitig überlegen, wen sie gern hätte und sich um die Wissenschaftler bemühen", forderte der Präsident.

Um international erfolgreich zu werden, soll die Humboldt-Universität Schwerpunkte setzen. "Wir müssen prüfen, ob wir die richtigen Sachen machen und ob wir sie richtig machen", sagte Mlynek. Das gelte auch für die Medizin, für die mittlerweile von SPD-Politikern aus dem Abgeordnetenhaus ein Einsparvolumen von bis zu 150 Millionen Mark genannt werde. In der Medizinforschung kann die zur Humboldt-Universität gehörende Charite allerdings schon spektakuläre Forschungserfolge vorweisen.

Ambitionierte Vorstellungen hat Mlynek auch für die Förderung der Nachwuchswissenschaftler. Eine Promotion müsse längstens in drei Jahren abgeschlossen werden. Die von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) mit dem neuen Dienstrecht angestrebte frühere Selbstständigkeit der Wissenschaftler sei dringend nötig. "In keinem anderen Land ist die Diskrepanz zwischen der Unselbstständigkeit des Nachwuchses und der Unabhängigkeit der Professoren größer als in Deutschland", kritisierte Mlynek. Allerdings müsse das Hausberufungsverbot fallen, um die Besten halten zu können. Jetzt strenge sich ein junger Wissenschaftler bei der Qualifikation besonders an und müsse seine Hochschule anschließend verlassen. "Die Praxis in der Wirtschaft ist da extrem anders." Gerade zwischen ihrem 30. und 40. Lebensjahr benötigten Wissenschaftler erheblich mehr Planungssicherheit als bisher - was auch der Frauenförderung zu Gute käme. Mlynek: "Wir treten bei der Frauenförderung seit Jahren auf der Stelle. Wenn wir weiter kommen wollen, müssen wir neue Wege gehen." Kürzere Qualifikationszeiten und Hausberufungen gehörten dazu.

Mlynek kündigte an, dass seine Hochschule ein Büro in Moskau eröffnen wolle, um geeignete Studenten und Nachwuchswissenschaftler anzuwerben. Auch in New York solle eines entstehen. Der internationale Wettbewerb um die besten Köpfe gehe weiter. Aus zahlreichen Aufenthalten in China wisse er, dass von dort rund ein Drittel der Absolventen in die USA wechselten. Das werde auch nicht als problematisch angesehen, auch weil dort zur Zeit nicht so viele Akademiker Arbeit fänden. Von Deutschland spreche dabei aber niemand. Doch für eine deutsche Hochschule liege es zunächst näher, den Kontakt nach Mittel- und Osteuropa zu suchen.

Eine andere entscheidende Voraussetzung ist natürlich das Geld. Der Hochschule fehle frei verfügbares Geld. 80 Prozent der Landeszuwendungen seien als Personalmittel fest verplant. Ein weiterer großer Teil werde für Mieten ausgegeben. Schon für dringend nötige Renovierungen fehle es an Geld. Darauf wies Mlynek besonders hin, weil jetzt über die Hochschulverträge für die Jahre 2003 bis 2005 in Berlin gerade wieder verhandelt wird.

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