Gesundheit : Humboldt-Universität: Kandidatenkür: Am Freitag wählt das Konzil der Hochschule die neuen Vizepräsidenten

Heiko Schwarzburger

Mit drei Monaten Verspätung, erst Anfang Mai war der Krimi um den neuen Präsidenten der Humboldt-Universität entschieden. Jetzt steht die Wahl der vier Vizepräsidenten an. Nicht ohne Prominenz: Mit Anne-Barbara Ischinger geht unter anderem die geschäftsführende Direktorin der deutsch-amerikanischen Fulbright-Kommission ins Rennen. Die 51-jährige Expertin für afrikanische Literatur, die beispielsweise in Harvard und Köln lehrte, leitete jahrelang das USA-Referat der Kommission und arbeitete später bei der Unesco in Paris, wo sie vor allem für Osteuropa und Afrika zuständig war. In beiden Regionen will die Humboldt-Universität künftig engere Kooperationen aufbauen. "Als Vizepräsidentin würde ich versuchen, mehr Stipendien für ausländische Studenten zu gewinnen und die Bedingungen für ausländische Dozenten zu optimieren", stellte sie ihre Ziele bei der Anhörung im Konzil der Hochschule vor. "Deutsche Studenten müssen eine bessere Sprachausbildung erhalten, um für Aufenthalte im Ausland vorbereitet zu sein." Während ihrer Tätigkeit bei der Fulbright-Kommission sammelte sie wertvolle Kontakte bis hinauf in höchste diplomatische Kreise und nach Brüssel, "die ich selbstverständlich an die Humboldt-Universität mitnehmen kann."

Der Erziehungswissenschaftler Heinz-Elmar Tenorth (56) erklärte die Studienreform zur Hauptsache für einen künftigen Vizepräsidenten für Studium und Lehre. Bis Anfang der 90-er Jahre als Professor in Frankfurt am Main tätig, war er bereits 1991 an die Humboldt-Universität berufen worden. Er ist ein intimer Kenner der Schulen und Universitäten, ihrer Umbrüche und internen Schwierigkeiten, etwa mit dem neuen naturwissenschaftlichen Campus in Adlershof oder neuen Abschlüssen wie Bachelor und Master. "Der zentrale Punkt für mich ist die Modularisierung unserer Studienpläne", sagte er. "Sie erlaubt es uns, verschiedene Abschlüsse anzubieten oder Kreditpunkte einzuführen, um die Leistungen international vergleichbar zu machen."

Er strebt an, den jungen Studenten mindestens vier Semester lang Zeit zu geben, sich in ihrem Studienfach zurechtzufinden und wichtige Kompetenzen für das Fachstudium zu erwerben. "Wenn im Durchschnitt nur sechzig Prozent der Studienanfäger bis zum Abschluss kommen, dann liegt das vor allem am falsch ausgerichteten Grundstudium", kritisierte er.

Sowohl in der Lehre als auch in der Forschung ist Peter Reineker (60) zu Haus, Physiker an der Universität Ulm. Sieben Jahre lang leitete er einen Sonderforschungsbereich in der Molekularphysik, forschte bei IBM, an der Universität von New Mexiko und am Collège de France in Paris. Er sieht große Entwicklungschancen für die Humboldt-Universität. "Die Leitung der Hochschule müsste vor allem die Zusammenarbeit der Fächer untereinander stärken", meinte er. "Nachwuchsforscher müssen schneller in die Lage versetzt werden, ihre Experimente in eigener Verantwortung voranzutreiben und dafür Drittmittel einzuwerben." Der Campus in Adlershof sei als eigener Studienort zu entwickeln, aber mit Lehrveranstaltungen über Kabel direkt an den Campus in Mitte anzubinden. Peter Reinecker plädierte für eine zweisemestrige Orientierungsphase, in der die Studenten entscheiden können, ob das Studienfach zu ihnen passt.

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