Gesundheit : Humboldt-Universität wählt neues Präsidium

Heiko Schwarzburger

Wichtige Personalentscheidungen brauchen Geduld: Im Konzil der Humboldt-Universität (HU) begannen gestern die dreitägigen Anhörungen der acht Kandidaten für das neue Präsidium. Die Vorschläge für die Kandidaten stammen aus dem Kuratorium der Hochschule. An den ersten zwei Tagen nimmt das Konzil die sechs Kandidaten für die Vizepräsidentenämter unter die Lupe. Am Donnerstag muss der amtierende Präsident Hans Meyer Rede und Antwort stehen, denn er bewirbt sich für eine zweite Amtszeit. Sein Widersacher ist der Informatiker Gerhard Fischer von der Universität im US-Bundesstaat Colorado.

Für die nächsten Jahre sollen der neue Präsident sowie die vier Vizepräsidenten eine Reihe einschneidender Reformen voranbringen. Bis 2004 wird die HU ihre Naturwissenschaften nach Adlershof verlagern. Im Mai dieses Jahres will der Wissenschafsrat sein Gutachten zur Berliner Hochschullandschaft vorlegen, und aus diesem Gutachten kann eine Neuverteilung von Fächern und Schwerpunkten folgen. Die Arbeitsteilung zwischen den Berliner Universitäten dürfte ein wesentlicher Schwerpunkt des Gutachtens werden. Die HU muss ihr Profil nicht nur in deutlicher Abgrenzung zur Freien Universität finden, sondern sich auch mit der Universität Potsdam und der Europa Universität Viadrina in Frankfurt/Oder abstimmen. Bei der Potsdamer Universität war der Wissenschaftsrat nicht davor zurückgeschreckt, die Schließung und Verlagerung einzelner Fächer an andere Hochschulen der Region zu empfehlen. Einschnitte sind für die HU nicht ausgeschlossen.

Die wichtigste Aufgabe der nächsten Jahre bildet die Studienreform mit der Einführung der neuen Abschlüsse Bachelor und Master. Sie zwingt die Hochschule, ihr gesamtes Ausbildungskonzept neu zu fassen. Nicht minder herausfordernd ist die Aufgabe, mit den Sparauflagen des Berliner Senats zurechtzukommen.

Um diesem Berg von Aufgaben zu bewältigen, experimentiert die HU mit einem starken Leitungskollegium. Der Präsident wird die Hochschule künftig in allen Fragen repräsentieren. Der bisher für die Verwaltung und das Personal zuständige Kanzler, den es noch an den meisten deutschen Hochschulen gibt, wurde abgeschafft. Künftig sollen dessen Aufgaben von einem Vizepräsidenten übernommen werden - er wird eigenständig gewählt. Der für Lehre und Studium zuständige Vizepräsident wird ebenfalls in einem eigenen Wahlgang ermittelt, da den Studenten hier ein Vetorecht zusteht. Die Ämter für Forschung sowie für Entwicklungsplanung werden anschließend innerhalb des neuen Präsidiums vergeben.

Der Erziehungswissenschaftler Jürgen Henze kandidiert für das Amt des Vizepräsidenten für Lehre und Studium. Seit 1993 als Professor an der Humboldt-Universität tätig, ist er ein intimer Kenner der Berliner Politik. "Unsere Innovationen müssen wir in den nächsten Jahren auf einem sehr schmalen Pfad bewältigen", sagte er mit Blick auf die dünne Finanzdecke. "Vor allem Bachelor und Master werden sich zu einer rollenden Studienreform entwickeln. Dazu müssen wir unser internes Potential effektiver als bislang nutzen." Innerhalb von fünf Jahren werden sich die neuen Abschlüsse in ganz Deutschland durchsetzen, meinte Henze.

Die Umweltbiologin Sabine Kunst aus Hannover hat sich als Vizepräsidentin für Forschung beworben. "Damit Adlershof nicht nur als entfernter Trabant um die Hochschule schwebt, müssen wir gemeinsame Themen für Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften finden", sagte sie. "So wäre die Ressourcenforschung beispielsweise für Wasser oder das Management von Flusslandschaften ein lohnendes Feld." Allerdings hat sich die Technische Universität bereits das Thema Wasser als Forschungsschwerpunkt gewählt. Für komplizierte Umweltsysteme wie Fließgewässer gilt die Technische Universität Cottbus als Kompetenzzentrum. Eine Lücke könnte die HU aber in der Umweltökonomie schließen. Aufbauend auf ihren starken Forschungsbereichen zur Sozioökonomie und zur mathematischen Prognose von Wirtschaftsdaten etwa an Börsen wäre dieses faktisch jungfräuliche Forschungsfeld schnell zu besetzen.

Der Physiker Peter Reineker von der Universität Ulm hat seine Kandidatur als Vizepräsident nicht näher eingeschränkt. Er steht sowohl für Studium und Lehre als auch für Forschung oder Entwicklungsplanung zur Verfügung. "Die Universität liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Regierungsviertel", meinte er. "Das wird in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle für ihre Position nicht nur in Berlin spielen." Reineker setzt deutlich auf Qualität: "Wir müssen unseren Spielraum bei Berufungen von erstklassigen Wissenschaftlern unbedingt behalten", forderte er. "Die Institute sollten künftig eine Grundausstattung erhalten. Ein Teil ihres Budgets muss jedoch nach leistungsbezogenen Kriterien vergeben werden." Dabei sollten auch kleinere Fächer Impulse für neue Forschungsthemen geben. "Um unsere Mittel aufzubessern, müssen wir uns verstärkt Mäzenen öffnen", erläuterte er. Reineker plädierte auch dafür, Studieneinsteigern künftig eine Orientierungsphase von ein bis zwei Semestern einzuräumen. "Danach muss das Studium zügig durchzuführen sein", sagte er.

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