Gesundheit : Humboldt vor der Wahl

Morgen soll die Universität einen neuen Präsidenten bestimmen. Welche Chancen hat der Bewerber?

Anja Kühne

„Ich hoffe, dass er mit überwältigender Mehrheit gewählt wird“, sagt Gabriela Lindemann-von-Trzebiatowski. Die Informatikerin gehört zu den 60 Mitgliedern des Konzils der Humboldt-Universität, die am morgigen Dienstag einen neuen Präsidenten bestimmen sollen. Einziger Kandidat ist der 43-jährige Theologie-Professor Christoph Markschies. Er wird die Nachfolge seines Vorgängers Jürgen Mlynek, der im September an die Spitze der Helmholtz-Gemeinschaft gewechselt ist, allerdings erst im Januar antreten können. Bis dahin ist Markschies noch als Fellow der Hebrew University in Jerusalem. Lindemann beschreibt ihre Stimmung als „euphorisch“. Markschies sei teamfähig und „trotz seiner Jugend“ ernsthaft. Auch Durchsetzungskraft sei ihm zuzutrauen: „Das sieht man ja daran, wie spritzig er seine Karriere vorangetrieben hat.“

Welche Chancen hat der Theologe, gleich am Dienstag gewählt zu werden? Drei Wahlgänge hat er, um die mindestens 31 von 60 Stimmen, die er braucht, zu gewinnen. Wahlen an der Humboldt-Universität sind eine heikle Angelegenheit. Noch gut in Erinnerung ist das knappe Ergebnis von Jürgen Mlynek, der im Februar 34 Stimmen bekam, nur drei mehr als unbedingt nötig. Dabei hatte die Findungskommission den Hamburger Politologen Michael Th. Greven als Gegenkandidaten aufgestellt – aus Sicht vieler Beobachter nur ein Zählkandidat, der Mlynek die Wähler zutreiben sollte und selbst nur acht Stimmen erhielt.

Bei seiner ersten Wahl im Mai 2000 hatte sich Mlynek, der sich aus Konstanz an die HU bewarb, noch mit 40 Stimmen gegen seinen Bayreuther Gegenkandidaten Helmut Büttner durchgesetzt. Die Wahl des Physikers beendete die Krise, in die die Uni gestürzt war, als sie im Februar 2000 den damaligen Amtsinhaber, den Juristen Hans Meyer, in drei dramatischen Wahlgängen scheitern und auch dessen Gegenkandidat Gerhard Fischer aus Colorado durchfallen ließ.

Doch für Markschies scheint die Wahl keine Zitterpartie zu werden. Selbst bei den Naturwissenschaftlern im Konzil hat man „keine Vorbehalte“, wie Andreas Herrmann, Professor für Biologie, berichtet. Er rechnet mit einem „sehr überzeugenden Ergebnis“. Der Kandidat hat eine kleine Wahlkampftournee durch die Universität gemacht und respektvoll zugehört. Das kommt gut an.

Weniger gut angekommen ist dagegen der an die Presse lancierte Brief, den der Dekan der Erziehungswissenschaften an die Findungskommission geschrieben hat. Darin hatte sich Dietrich Benner darüber beklagt, die beiden lange gehandelten Kandidaten Erich Thies, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, und Konrad Osterwalder von der ETH Zürich seien beschädigt worden. Man habe sie hingehalten, um dann überraschend Markschies aufs Schild zu heben. Herrmann sagte, an der Uni seien jedoch viele der Meinung, erst der Brief habe die Kandidaten und die Uni beschädigt.

Monika Zielinski, Leiterin des Sprachenzentrums und ebenfalls Mitglied des Konzils, ist der Findungskommission dankbar, „dass wir einen anständigen Präsidenten bekommen werden“. Sie habe schon immer dafür plädiert, dass die Uni sich auch mit einem einzigen Kandidaten begnügen sollte, „wenn es jemand ist, den wir unbedingt haben wollen“.

Die Gruppe der Studierenden ist hingegen „ambivalent“, wie Peter Hartig, Sprecher des „ReferentInnenrats“, sagt. Zwar habe der Kandidat „es bravourös hinbekommen, sympathisch zu wirken“ und sein Wille, für mehr „Transparenz und Kommunikation“ einzutreten, sei ein „ungeheurer Fortschritt“. Gleichwohl habe er sich in Gesprächen mit den Studierenden politisch nicht festgelegt, sondern sich hinter Allgemeinplätzen versteckt. So als er sich für Studiengebühren unter der Bedingung der „Sozialverträglichkeit“ ausgesprochen habe. Doch auch Hartig geht davon aus, dass Markschies gewählt wird.

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