Gesundheit : Humboldts Gerüchte- küche

Die Uni wartet auf ihren neuen Präsidenten

Anja Kühne

Gelingt es der Humboldt-Universität, rechtzeitig einen Nachfolger für Jürgen Mlynek zu finden? Bislang steigt kein weißer Rauch über der Hochschule auf. Offenbar können sich die Findungskommission und wichtige Mitglieder des Konzils noch immer nicht auf Kandidaten einigen. Eigentlich wollte das Kuratorium am kommenden Freitag dem Konzil, dem Wahlgremium der Uni, den Wahlvorschlag übergeben.

Doch mittlerweile haben mehrere Professoren erklärt, für das Amt nicht zur Verfügung zu stehen: etwa der jetzige Vizepräsident Heinz-Elmar Tenorth, Wilhelm Krull von der Volkswagen-Stiftung und dem Vernehmen nach auch der Jurist und Autor Bernhard Schlink. Hat die Universität vielleicht Probleme, die passende Person zu finden? Kann sie ihren Zeitplan einhalten, wonach der Nachfolger des zur Helmholtzgemeinschaft wechselnden Jürgen Mlynek am 12. Juli gewählt werden kann? Weder Günter Stock, der Vorsitzende der Findungskommission, noch ein anderes über die Suche informiertes Universitätsmitglied will sich zum Stand des Verfahrens öffentlich äußern. Die Humboldt-Universität befindet sich im Konklave, es herrscht strenge Geheimhaltung.

So kocht die Gerüchteküche. Ein Gerücht lautet, die Vizepräsidenten der Universität seien über einen von der Findungskommission vorgeschlagenen, ja von ihr favorisierten Professor dermaßen empört, dass sie am Freitag gemeinsam mit ihrem Rücktritt gedroht haben, sollte der Mann tatsächlich aufgestellt werden. Wäre dieses Gerücht wahr, befände sich die Humboldt-Uni in einer tiefen Krise. Nicht nur gäbe es massive Schwierigkeiten zwischen den Vizepräsidenten und dem Kuratorium. Die HU könnte plötzlich auch in der zweiten Reihe führungslos dastehen – in einer Phase, in der die Uni-Präsidenten wegen der möglichen Einführung der Viertelparität oder neuen Fusionsvorschlägen den Politikern die Stirn bieten müssen.

Ein weiteres Gerücht lautet, die Findungskommission habe eine Liste mit sechs Kandidaten zusammengestellt. Zwei davon stammten aus der Schweiz, zwei weitere seien Frauen. Erich Thies, der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, sei nicht unter den sechs. Warum? Thies hat dem Vernehmen nach zwar den Kultusministern in einem Brief mitgeteilt, er habe sich nicht um das Präsidentenamt an der HU beworben. Dass er sich nicht vorstellen könnte, HU-Präsident zu werden, soll aus dem Schreiben jedoch nicht hervorgehen. Und über Thies heißt es, er habe im Konzil und im Kuratorium starke Unterstützer. So gibt es auch über Thies’ Fehlen auf der Kandidatenliste eine Theorie, die auf den Fluren der HU kursiert: Seine Unterstützer hätten Thies aus strategischen Gründen auf einer „Schattenliste“ als Reserve geparkt, gemeinsam mit dem Vizepräsidenten Hans Jürgen Prömel und einem weiteren HU-Professor. Von dort aus solle Thies zu einem geeigneten Zeitpunkt doch noch ins Rennen starten.

Sollte die Findungskommission wirklich so raffiniert sein? Am Freitag werden sich die Nebel lichten.

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