Gesundheit : Humboldts Marx in guter Gesellschaft

Die Uni will auch andere Gelehrte im Foyer zitieren

Amory Burchard

In zehn Tagen wird das monumentale Karl-Marx-Relief demontiert, das seit mehr als 30 Jahren über dem Haupteingang der Universität Leipzig hängt. Die Uni erhält zu ihrem 600. Geburtstag in drei Jahren einen neuen Campus und nutzt den Umbau, um sich von dem ungeliebten Marx-Bildnis – der Philosoph inmitten einer Reihe von Studenten – zu befreien. Ein Vorbild für die Humboldt-Universität (HU), in deren Foyer seit 1953 ein Karl-Marx-Zitat steht? Schließlich ist die zitierte elfte Feuerbachthese seit der Wende durchaus umstritten: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“

In der Vorbereitung auf den 200. Geburtstag der Berliner Universität im Jahr 2010 werde durchaus wieder über das Marx-Zitat diskutiert, bestätigt HU-Präsident Christoph Markschies. Und die elfte Feuerbachthese sei „nicht die Parole, mit der die HU ins dritte Jahrhundert gehen will“. „Als Aussage eines Philosophen ist sie denkbar unglücklich“, sagt Markschies. Eine Universität müsse „die Priorität auf das Interpretieren setzen“. Aber demontieren wolle man das Zitat nicht, zumal die Messinglettern auf rotbraun- geflammtem Marmor unter Denkmalschutz stehen.

Bis 2010 soll das Marx-Zitat nun durch Aussprüche weiterer großer Geister der Berliner Universität flankiert werden, etwa ihres Mitbegründers Wilhelm von Humboldt oder des Mediziners Rudolf Virchow. Markschies will die zusätzlichen Zitate im Foyer „ähnlich prominent“ wie das Marx-Zitat platzieren. So dokumentiere der Ausspruch weiterhin die „kontaminierte Geschichte einer Staatsuniversität“. Allerdings sei die elfte Feuerbachthese – die Welt verändern, anstatt sie nur zu interpretieren – auch Leitspruch vieler Hochschullehrer der 68er-Generation gewesen.

Der Humboldt-Uni wurde das Marx-Zitat 1953, zum 135. Geburtstag des Philosophen, verordnet. Die Staats- und Parteiführung der DDR hatte ein „Karl-Marx- Jahr“ ausgerufen. Zu Ehren des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus wurde aus Chemnitz Karl-Marx-Stadt und die Leipziger Hochschule hieß fortan „Karl-Marx-Universität“. Anfang der 70er wurde anstelle ihrer alten Universitätskirche ein Neubau errichtet und kurz darauf vom Marx-Relief gekrönt. Ihm am jetzt geplanten Campus-Neubau wieder einen prominenten Platz zu geben, sei undenkbar, sagt der Rektor der Uni Leipzig, Franz Häuser: „Wir wollen den Eindruck vermeiden, dass es weiterhin inhaltlich prägend für die Uni ist“. Das Kunstwerk soll aber erhalten bleiben und am Rande des Campus die Mauer eines Studentenklubs schmücken.

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