Gesundheit : Ich brauche das: Christian Schröder liegt die Fernbedienung gut in der Hand

Fernbedienungen schicken unsichtbare Infrarotstrah

In dem Altersheim, in dem ich meinen Zivildienst absolviert habe, gab es eine Frau, die ihrer Zimmernachbarin immer wieder die Fernsehfernbedienung wegnahm. Zur Rede gestellt, versicherte sie: "Das ist eine Tafel Schokolade, die ich geschenkt bekommen habe."

So eine Fernsehfernbedienung sieht tatsächlich täuschend ähnlich wie eine Tafel Schokolade aus. Sie ist mokkabraun bis zartbitterschwarz, liegt angenehm in der Hand, und die Tasten könnten Nüsse sein, die aus dem süßen Schmelz hervorlugen. Die Fernbedienung ist das Szepter, das den Fernsehgucker zum König macht. Der Fernsehsessel: mein Thron. Es gibt Tage, an denen ich lustlos durch die Programme stochere, mich durch den Morast der fauligen Kanäle von Talk-Insel zu Gameshow-Lagune treiben lasse, auf der Suche nach einem Gesicht, einem Bild, einem Gedanken, an dem ich mich festhalten könnte. Und dann gibt es Tage, an denen ich kopfüber eintauche in die Bilderflut, wie elektrisiert von Station zu Station kraule, dass ich fast das Luftholen zwischendurch vergesse, plötzlich alles - Tierfilme! Speedy-Gonzales-Cartoons! Pfarrer Fliege! - superinteressant finde, in einen Rausch der Verzückung gerate.

Jawohl: Rausch. Das Fernsehprogramm ist natürlich eine Zumutung. Deshalb muss ich umschalten. Möglichst oft, möglichst schnell. Ein Zucken meines Zeigefingers genügt, um die Bilder tanzen zu lassen. Bis zum Schwindelgefühl. Zu viel fernsehen ist wie Zu-viel-Schokolade-Essen: Erst schmeckt es süß, dann wird dir schlecht.

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