Gesundheit : Ich brauche das: Dorothee Nolte schwört auf die kalte Dusche am Morgen

Niemals würde ich über einen Warmduscher spotten. Auch gegen Heiß- und Wechselduscher habe ich nichts. Nette Leute, ein bisschen verweichlicht. Sie verbrauchen eine Menge Energie, blockieren das Bad eine halbe Stunde und schwemmen Hektoliter von Duschgel in die Kanalisation - von Gesundheit verstehen sie nichts.

Der kürzeste Weg zu Gesundheit und Frohsinn liegt in einem allmorgendlichen kalten Duschstrahl. Schon nach dreißig Sekunden ist der Mensch munter, guter Laune und bereit zu runden vier Minuten Morgengymnastik. Kaltes Wasser nämlich, das wussten schon Hippokrates und der alte Pfarrer Kneipp, regt Stoffwechsel und Kreislauf an, fördert die Abwehrkräfte und hilft bei akuten Entzündungen. Genauer: Wasser löst Reize aus, die über die Nervenbahnen an das Rückenmark geleitet werden, die wiederum die inneren Organe beeinflussen. Das warme Vollbad ist wunderbar zur Entspannung. Aber früh morgens wirkt, zumindest bei Menschen mit niedrigem Blutdruck, nur die kalte Dusche. Göttlich!

Es gibt Phasen im Leben jedes Kaltduschers, in denen er der morgendlichen Erfrischung untreu wird. Aus Bequemlichkeit oder aufgrund einer Lebenskrise. Dann dauert es aber nicht lange, und unsere Nasen triefen, unser Blutdruck sinkt auf den Meeresgrund, wir gehen gebückt, der Bauch bläht sich, kurz: Wir haben uns in Warmduscher verwandelt. Reumütig kehren wir zum kalten Wasserstrahl zurück. Meine Oma ist mit dieser Methode 92 Jahre alt geworden. Ich strebe 100 an.

Ich verwette mein letztes Stück Seife darauf: Diejenigen, die das Wort "Warmduscher" als Schimpfwort erfunden haben, sind selber welche. Es gibt nämlich außer mir und weiland meiner Oma nur wenige Kaltduscher in diesem Lande. Nicht mal bei der Bundeswehr wird kalt geduscht. Auch die Frauenzeitschriften, die ohne Hemmungen die absonderlichsten Prozeduren zur Erhaltung von Gesundheit und Schönheit empfehlen, wagen es nicht, die kalte Dusche zu erwähnen: Der Warm- und Wechselduscher-Konsens ist erdrückend. Wir sind eine kleine, qualifizierte Minderheit. Martialisch, asketisch, hart und streng? Iwo. Im Gegenteil, wir sind höflich, friedlich und beleidigen niemanden. Schon aus Eigennutz müssen wir mit unserer Umwelt gut auskommen. Wir leben nämlich lange.

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