Gesundheit : Ich brauche das: Lorenz Maroldt liebt das Fahren unter freiem Himmel

Einfach schrecklich, diese Kiste. Es regnet durch das Loch im Dach, und der Draht, der sich aus dem nassen Ledersitz bohrt, zerreißt jede Hose, gerne auch teure neue. Am Lenkrad rappeln die lockeren Schrauben, die nächste Kurve kann schon die letzte sein. Die rechte Fensterkurbel klemmt. Die Heizung läuft ganz oder gar nicht. Der Motor schluckt und spuckt wie ein britischer Hooligan kurz vor der letzten Runde im Pub. Gurte? I wo denn. Ab 80 mp/h beginnt alles zu dröhnen, dann dringt im Fahrtwind ein erbärmliches Quietschen ans Ohr, bis schließlich die ausgerissenen Ösen vom Spritzverdeck mit 130 bpm so laut auf den grünen Lack knallen, dass die Manic Street Preachers, die mit Volume 10 per Walkman direkt in die Ohren fließen, wie eine Free-Jazz-Combo mit Rhythmusstörung klingen. Aber nur, wenn es nicht im Geäst des Kabelbaums einen Kurzschluss gab. Sich eine Speiche in den Schlauch bohrte. Oder . .

Aber ich brauche das. Die Löcher im Dach werden mit der FAZ gestopft, die in der Hose mit Verachtung getragen. Alles nur für diesen Moment. Wenn der Sommer kommt. Die Morgensonne kitzelt. Wenn die Nachbarn in die U-Bahn steigen. Oder in ihre Karossen.

Manche drücken auf einen Knopf - und schwupps: ist ihr Dach schon weg. Bei anderen ist es ein Handgriff - klapp! Und schlapp. Bei mir ist es wie beim Zelten: Aufknöpfen, falten, packen. Das Gestänge entsichern, herausziehen, knicken, verstauen - und fertig. Fast. Denn das Fenster muss auch noch runter, egal ob es klemmt oder nicht. Und einmal die Holzleiste streicheln. Aber jetzt. Es orgelt. Es knallt. Es röhrt. Und dann geht es los!

Einfach toll, diese Kiste.

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