Gesundheit : Ich brauche das: Rainer Hank will nicht auf seine morgendlichen E-Mails verzichten

Glauben Sie, ich fände Junk-Mails spaßig? Natürlich nicht. Es ist schon ziemlich viel Müll, der sich da Nacht für Nacht in der Mailbox ansammelt. Aber trotzdem ist der morgendliche E-Mail-Check längst alltägliche Routine, fast so selbstverständlich wie Zähneputzen. Denn die Neugierde siegt immer: Wer könnte sich deiner erinnert haben? Es kommt auf die Laune des Morgens an, ob ich im Überschwang oder Ärger reagiere, oder die Antwort für später zurückstelle.

So geht das Tag für Tag. E-Mails - weder Telefon noch Brief können sie ersetzen. Sie bringen ihre eigenen Gepflogenheiten mit sich. Es ist ja noch gar nicht so lange her, vielleicht drei Jahre, als es in Deutschland Gespräche darüber gab, ob E-Mails ein völlig überflüssiger Schnickschnack seien, teures Zeitverplempern. Mit seriösen Zeitgenossen haben wir damals darüber gestritten. Solche Glaubenskriege sind unterdessen gestorben. Was zeigt, dass die Erkenntnisse der Netzökonomie nicht ganz falsch sein können: Je mehr Menschen einen E-Mail-Anschluss haben, um so weniger Menschen können es sich leisten, keinen zu haben.

Und billig ist das Mailen ohnehin. Spannender als die Netzökonomie ist aber die Sprachökonomie, weswegen längst auch ganze Linguistengruppen mit DFG-Subventionen sich an die Erforschung der Mail-Sprache gemacht haben. Die Puristen verbreiten die Verfallsthese. Das ist öde. Die Wittgensteinianer fragen, warum wir Regelverstöße bei einer E-Mail weniger schlimm finden als bei einem Brief. Meine E-Mails, gerade an gute Bekannte, haben keine Anrede (Liebe Philomena oder so), und, so musste ich mir leider sagen lassen: sie wimmeln vor Rechtschreibfehlern. Im Tagesspiegel würde ich mir das nicht durchgehen lassen. In einer Mail schon.

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