Gesundheit : Ich brauche das: Thomas de Padova kämpft gegen den nächtlichen Wadenkrampf

Die Kälte ist der natürliche Feind des Süditalieners, und somit auch meiner linken Körperhälfte. Vor allem nachts biete ich ihr eine offene Flanke dar. Langsam dringt der Feind durch Fenster- und Mauerritzen in meine Altbauwohnung, lullt zunächst den Heizkörper ein, rollt weiter Richtung Bett und packt mich plötzlich, irgendwann in den frühen Morgenstunden, wenn das Plumeau nicht mehr da liegt, wo es liegen soll, an der linken Wade. Ein Schrei reißt mich aus dem Schlummer: Crampus nocturnus, der nächtliche Wadenkrampf!

Indianer kennen keine Schmerzen. Ich schon. Bei dem unwillkürlichen Anfall zieht sich keineswegs nur die Wade zusammen. Die peinigende Kontraktion greift sogleich auf die Zehen über, die kurz darauf starr in alle Himmelsrichtungen weisen. Der ganze Körper krümmt und windet sich bei dem Versuch, die Zehen mit der Hand zum Knie zu ziehen und die Muskeln entgegen der Krampfrichtung zu dehnen. Schließlich liege ich da wie ein Fußballspieler nach der Verlängerung eines verlorenen WM-Endspiels.

Der Fußballer hat die Strafe wohl verdient. Aber warum hat es mich getroffen? Habe ich mich beim täglichen journalistischen Hamsterlauf im Nachrichtenrad überanstrengt? Zu viel geschwitzt und die guten Elektrolyte vergeudet? Dadurch, sagt der Arzt, ändert sich das Potenzial der Muskelmembran, und die Kontraktionsschwelle wird herabgesetzt. Mein Wadenkrampf sei sicherlich auf einen Mangel an Kalzium oder Magnesium zurückzuführen.

Ich greife also zu Magnesiumtabletten. Der Sportler nimmt Elektrolyte beim Wettkampf zu sich, ich, wenn ich ins Bett gehe. Den jeweiligen Gegner schreckt das wenig.

Irgendwann, sagt Arzt Nummer zwei mit Blick auf den Fußballer, seien die Kräfte verbraucht. Wenn der Muskel zu stark belastet sei und nicht mehr genügend Sauerstoff bekomme, dann wehre er sich. Der Wadenkrampf sei eine Durchblutungsstörung.

Arzt Nummer drei erzählt etwas von einem Nervenleiden. Und wird sehr neugierig, als ich ihm sage, dass mein linker Wadenmuskel hin und wieder auch ganz unvermittelt in leichtes Zucken gerät.

Nun beobachte ich meine Wade täglich. Ich schone sie, so gut es geht, und achte auf meine Elektrolyte. Trotzdem sage ich Ihnen: Es ist mit Sicherheit die Kälte, die meine Blutgefäße zusammenzieht und meinen sonnenverwöhnten Wadenmuskel skrupellos von der Versorgung abschneidet. Ich bin das klassische Opfer einer mangelhaften Wärmeschutzverordnung. Tun Sie bitte etwas, Herr Trittin. Wenn schon nicht des Klimas, dann wenigstens um meinetwegen!

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