Gesundheit : Ich brauche das: Tom Heithoff sehnt sich nach Sonne

Sonne erhalten Sie in Berlin leider nur zu sehr un

Seit einigen Wochen sehe ich nur noch grau. Seit einigen Wochen haben Bauarbeiter die Wohnung mit einer grauen Plastikplane luft- und lichtdicht zugehängt. Das ist fatal für mein Gemüt und meinen Körper. Die Sonne, die für gewöhnlich durch die Scheiben auf mein schlafendes Gesicht fällt, die mir in die Kaffeetasse hüpft, die mir auch den Nachmittag erträglich macht, ist weg. Hat sich verfangen in der Bauarbeiterplane. O Sonne - meine Kraft. Ohne Dich kann ich nicht leben. Doch ohne Dich muss ich leben in dieser grausamen Zeit!

Meine tägliche Sonnen-Medizin muss mindestens 30 Minuten lang einwirken. Dabei ist es gleichgültig, ob mir die Sonne ins Gesicht oder auf den Rücken scheint. Ich spüre nicht nur, wie sich die Seele hebt, spüre nicht nur, wie die Konzentrationsfähigkeit steigt, nein, ich spüre sogar, wie die ultraviolette Strahlung das Vitamin D hervorzaubert, spüre, wie sich das gute Calcium in den Knochen bildet und wie es wohlig knirscht in Gebein und Gehirn. Wie wohl tut es, mit der Sonne im Rücken ein Buch zu lesen. Wie wohl tut es, die geschlossenen Lider ins warme Rot zu halten und nichts zu denken. (Auch den Mitmenschen tut man Gutes, wenn man ihnen nicht bleich wie ein Sträfling gegenübertritt. )

Am wichtigsten ist die Sonne allerdings am Morgen. Noch im Schlafanzug steckend drehe ich mich zehn Minuten in der Sonne, um wach zu werden, um zu bemerken, dass es Tag ist, um - und das ist entscheidend - überhaupt Kraft zu gewinnen, mich anzuziehen. Ach, und all das klappt gar nicht im Moment. Ich werde nicht wach. Ich ziehe mich nicht mehr an. Flüstere nur: Guten Morgen, trübe Welt. "Warum geht der Kerl nicht raus?", höre ich Sie fragen. Ja, soll ich denn im Schlafanzug...?! Wenn die Plane weg ist, steht der Winter vor dem Fenster. O Gott. Langsam sehe ich schwarz.

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