Gesundheit : „Ich sehe dies als nationale Aufgabe“

Jürgen Mlynek, designierter Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, verteidigt seinen Abschied von der Humboldt-Universität

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Sie wollen Präsident der HelmholtzGemeinschaft werden und die Berliner Humboldt-Universität verlassen. Die Helmholtz-Gemeinschaft hat einen Jahresetat von 2,2 Milliarden Euro, die Humboldt-Uni einen Staatszuschuss von 216 Millionen Euro. Lockt Sie das Geld?

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Sie kann als außeruniversitäre Forschungseinrichtung entscheidend zu Reformen und Innovationen im Wissenschaftssystem beitragen.

Im Februar haben Sie Ihre Kandidatur als entscheidend für das weitere Schicksal der Humboldt-Universität bezeichnet. Viele in der Uni fühlen sich von Ihnen verraten.

Natürlich werden viele meine Entscheidung nicht sofort nachvollziehen können. Ich habe sie mir auch nicht leicht gemacht. Als mir in der letzten Woche die Findungskommission mitteilte, dass sie mich als neuen Präsidenten vorschlagen will, habe ich dieses als Herausforderung zu einer nationalen Aufgabe gesehen und mich für den Wechsel entschieden. Die Humboldt-Universität wird an dem Kurs, der die letzten Jahre verfolgt wurde und der letztlich bei der Präsidentenwahl im Februar wieder zur Diskussion stand, hoffentlich festhalten.

Hat Sie die Berliner Politik enttäuscht, die aus den Unis herausspart, was nur geht?

Das schwierige finanzielle und politische Umfeld war für meine Entscheidung nicht ausschlaggebend. Ich habe eine rein persönliche Entscheidung über meine berufliche Zukunft für die nächsten fünf bis zehn Jahre getroffen. Berlin ist anstrengend, aber auch ungeheuer spannend und stimulierend. Berlin ist nach wie vor die Wissenschaftsregion Nummer eins in Deutschland. Auch als zukünftiger Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft werde ich – wenn der Senat am 3. Juni dem Votum der Mitgliederversammlung folgt – Berlin eng verbunden bleiben. In der Region gibt es ja eine Reihe von Helmholtz-Zentren, wie das Hahn-Meitner Institut, das Geo-Forschungszentrum Potsdam und das Max-Delbrück-Zentrum.

Was würden Sie der Humboldt-Universität von der Berliner Politik wünschen?

Dass sie sich eindeutiger als bisher zur Wissenschaft und den Universitäten als dem entscheidenden Zukunftsfaktor für diese Stadt bekennt. Und dass sich der Regierende Bürgermeister mit seinem Widerstand gegen die in den Hochschulgremien geplante Viertelparität und das Überkreuzwahlrecht bei den Professoren durchsetzt.

Was wollen Sie als Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft bewegen?

Die Gemeinschaft befindet sich nach wie vor in einem Umbruch. Es geht um größere Initiativen wie auf dem Gebiet der Gesundheit, wo ich mir den Zusammenschluss von mehreren Helmholtz-Zentren vorstellen kann, um etwa den National Institutes of Health in den USA stärker Paroli bieten zu können. Auch die Etablierung der Marke Helmholtz ist wichtig. Als Gemeinschaft ist sie eigentlich vielen Menschen unbekannt, obwohl man ihre Zentren kennt.

Das Gespräch führte Uwe Schlicht.

Jürgen Mlynek (54) ist Präsident der Berliner Humboldt-Universität. Erst vor drei Monaten wurde der Physiker nach einem turbulenten Wahlkampf im Amt bestätigt.

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