Gesundheit : IG Bildung

Metaller wollen in Unis und Schulen mitreden

Uwe Schlicht

Die IG Metall macht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Konkurrenz. „Die IG Metall ist auch eine Bildungsgewerkschaft“, sagte Wolf Jürgen Röder, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der Metaller-Gewerkschaft, jetzt auf dem bildungspolitischen Forum der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Berlin.

In diesen Monaten und Jahren werde das deutsche Bildungssystem in einem Maße umgebaut und verändert wie selten zuvor, begründete der Funktionär die bildungspolitische Offensive der IG Metall. Diese Veränderung orientiere sich nicht an den Zielen der sozialen, ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit, sondern an kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen. Das wolle seine Gewerkschaft ändern. Die Bildungspolitik wird mit der Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master im Bologna-Prozess europäisiert, vergleichbare Abstimmungen gibt es für die berufliche Bildung im Kopenhagen-Prozess. Für die Gewerkschaften bedeute dies, dass das Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Weiterbildung als Ganzes gedacht werden müsse. Die Gewerkschaften wollten „den Begriff der wissenschaftlichen Berufsausbildung“ etablieren.

Es sei ein Skandal, wie geringschätzig an den Hochschulen mit dem Wert von beruflichen Erfahrungen umgegangen werde. Das zeige sich auch an den geringen Aufnahmequoten für erfolgreiche Berufstätige, die ohne Abitur an eine Hochschule gehen wollten. Röder sprach sich dafür aus, in der Hochschulausbildung wie auch in den Ausbildungsgängen der Wirtschaft als Leistungsnachweise gemeinsame Kreditpunkte zu vergeben. Das könne die Durchlässigkeit von der beruflichen Ausbildung zur Hochschulausbildung fördern. Das Konzept der dualen Ausbildung könnte so auch zum Maßstab für die Gestaltung der Studiengänge werden. Studiengebühren erteilte der Gewerkschaftssprecher eine kategorische Absage, weil sie den Prinzipien der Durchlässigkeit und der Chancengleichheit schadeten.

In der Schulpolitik will sich die IG Metall an den Grundsätzen des Pisa-Gewinners Finnland orientieren und für die Gemeinschaftsschule kämpfen. „Wir brauchen alle. Alle bleiben zusammen. Niemand bleibt zurück. Niemand wird beschämt. Jeder wird geachtet“, sagte Röder. Vor diesem Hintergrund lehne die IG Metall das gegliederte Schulsystem ab, weil es die jungen Menschen sehr früh auf eine bestimmte weiterführende Schulbildung festlege. Die neue Zusammenführung von Haupt- und Realschulen auf der einen Seite und die Beibehaltung des Gymnasiums auf der anderen Seite würden der Forderung nach mehr Chancengleichheit nur in geringem Umfang gerecht. Die Gewerkschaften forderten dagegen ein integriertes Schulsystem: Bis zum zehnten Schuljahr müsste künftig ein gemeinsamer Unterricht für alle angeboten werden. „Bildungspolitik“, so Röder, „ist für uns Gewerkschaften präventive und gestaltende Sozialpolitik.“

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