Gesundheit : Im Dorf für Kreative

LENNART PAUL

Die Teilnehmer des "creative village" verbindet eins: Sie wissen nicht genau, was sie wollen. Werbung interessiert sie, aber auch Journalismus. Einige können sich vorstellen, später als Graphikdesigner zu arbeiten. Andere denken darüber nach, ob der Multimedia-Bereich ihnen nicht Möglichkeiten bietet, von denen sie bisher keine Ahnung haben. Nur eins ist ihnen klar: Der ausufernde Bereich Kommunikation reizt sie. Seit zwei Jahren gibt es in Berlin das firmenübergreifende Praktikumsprogramm "creative village". Sechs Monate lang können sich zwölf Teilnehmer in der Berliner Medienlandschaft ausprobieren. Sie absolvieren vier Praktika: eines bei der "taz", eines in der Werbeagentur "Scholz & Friends", eines bei der Multimedia-Agentur "Pixelpark" und eines beim Nachrichtensender "n-tv".Vier Praktika in sechs Monaten - das klingt nach Schnupperkurs, nach oberflächlichem Antesten. Doch die Teilnehmer des jetzt laufenden vierten Semesters empfinden das überhaupt nicht so: "Natürlich muß man von vorneherein flexibel sein", sagt Berit Kaiser, die gerade ihr Graphikdesign-Studium in Leipzig abgeschlossen hat. "Aber man lernt schnell, innerhalb von einer Woche in den neuen Job reinzukommen." Auch Tobias Hinsch, 25jähriger Student der Kommunikationswissenschaften aus Münster, sieht es als Herausforderung an, in einem halben Jahr den Arbeitsplatz dreimal zu wechseln: "Man wird da richtig reinkatapultiert." Claudia Wagner, die in Berlin Germanistik und Französisch studierte, findet, daß man in keinem anderen Praktikum so viele Eindrücke sammeln kann wie im Berliner Semester.Während der Ausbildung gibt es für die Teilnehmer des "creative village" monatlich 500 Mark. Neben den Praktika können sie auch Fortbildungskurse bei der Henri-Nannen-Schule und Medien-Informationstage bei der Filmproduktionsfirma "Babelsberg fx.Center" besuchen.Iris Krumrei nahm am dritten Semester teil. Der 27jährigen gelang das Kunststück, ihr Praktikum bei "Pixelpark" in eine feste Anstellung umzumünzen. "Für mich war vor meinem Praktikum eigentlich klar, daß Multimedia nicht in Frage kommt", erzählt sie. "Aber dann entdeckte ich bei Pixelpark so viel Interessantes, das ich mir vorher gar nicht vorstellen konnte." Die besondere Art der Teamarbeit gefiel ihr, auch das projektbezogene Arbeiten.Iris Krumrei ist kein Einzelfall. Aus ihrem Semester schaffte es auch eine Mitpraktikantin, bei Pixelpark angestellt zu werden. Andere gingen zurück ins Studium, arbeiten aber als Freie weiter für eines der beteiligten Unternehmen. Nur vor einem warnt Iris Krumrei: "Man sollte während der Praktika nicht die ganze Zeit daran denken, ob am Ende vielleicht eine Anstellung herausspringt." 300 Interessenten gab es für die zwölf Plätze des vierten Semesters. Das 5. Semester startet am 4. Oktober. Diesmal wird es für die Bewerber noch schwieriger, einen Platz zu ergattern: Die Klasse wird von zwölf auf neun verkleinert. Der Nachrichtensender n-tv nimmt in diesem Semester keine Praktikanten auf.Welche Voraussetzungen erhöhen die Chancen bei der Bewerbung? "Ein abgeschlossenes Grundstudium", empfiehlt Iris Krumrei. Außerdem hat sie den Eindruck, daß die Auswahlkommission auch gerne Bewerber nimmt, die ihr Studium gerade absolviert haben - die Unternehmen könnten mit solchen Praktikanten nahtlos weiterarbeiten. Tobias Hinsch hat sich vorbereitet, indem er die Homepages der beteiligten Unternehmen im Internet angesehen hat. Claudia Wagner findet es wichtig, daß man vorher Erfahrungen gesammelt hat, zumindest schon ein Praktikum absolviert hat.Zum Schluß noch ein Beispiel für eine Frage aus dem Prüfungsgespräch: "Was haben Politik und Werbung gemeinsam?"

Die Bewerbungsfrist für das fünfte Semester endet am 1. August. Bewerber sollten nicht älter als 27 Jahre sein, Ausnahmen sind aber möglich. Informationen bei "creative village" c/o "taz" Julia Groten, Kochstraße 18, 10969 Berlin Telefon: 25902-292.

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