Gesundheit : Im Gedächtnis bleibt der Döner Kebap

DOROTHEE NOLTE

Mit "Berlin Consortium For German Studies" aus den USA nach Deutschland - und umgekehrt VON DOROTHEE NOLTE

"Das Vorlesungsverzeichnis sagt, daß die Vorlesung um 14 Uhr beginnt", sagt Ezechiel Copic halb amüsiert, halb empört."Aber der Professor kommt erst um viertel nach!" Das akademische Viertel ist nur eine der Besonderheiten deutschen Universitätslebens, über die sich Außenstehende mitunter wundern.Ungewohnt ist für den Austauschstudenten von der Pennsylvania University auch, daß es hier "so wenige Computerräume gibt", und daß sie außerdem spätabends und am Wochenende geschlossen sind.Und was sind die Vorzüge des Studiums in Deutschland? "Es gibt nicht den Druck, jedes Semester Prüfungen zu bestehen.Man hat hier mehr Freiheit, weniger Streß." Copics Kommilitonin Amanda Beatty von der George Washington University studiert Internationale Beziehungen.Sie meint: "Hier muß man sich stärker selbst motivieren.Das kann auch anstrengend sein." Ezechiel Copic und Amanda Beatty sind seit September in Berlin - als Teilnehmer eines Austauschprogramms amerikanischer Universitäten mit der FU.Sechs international bekannte Hochschulen haben sich zu diesem Zweck im "Berlin Consortium for German Studies" zusammengeschlossen: die University of Chicago, die Columbia University, die Johns Hopkins University, die Universitäten von Pennsylvania, Princeton und Yale.Sie bieten ihren Studenten die Möglichkeit, entweder nur das Sommersemester oder aber ein ganzes Studienjahr in Berlin zu verbringen, und nehmen im Gegenzug FU-Studenten in ihren Seminaren und Vorlesungen auf. "In den ersten fünf Wochen wohnen die amerikanischen Studenten bei deutschen Gastfamilien und machen einen Sprachkurs", erläutert Verwaltungsleiterin Carmen Müller, die für die nächste Gruppe von Amerikanern noch Gastfamilien sucht."Anschließend ziehen sie in ein Studentenwohnheim und belegen Seminare ganz nach Wunsch." Im Frühjahr letzten Jahres kam die erste Gruppe von Amerikanern in die Stadt, die ersten Berliner werden im Herbst zum Sprung über den großen Teich ansetzen. Die FU hat bereits seit Jahren ein Direktaustauschprogramm mit zahlreichen amerikanischen Universitäten.Zusammen mit dem Consortium-Programm ergibt das "eine fabelhafte Palette", meint David Wellbery, Literaturwissenschaftler an der Johns Hopkins University in Washington.Er ist in diesem Jahr der "Academic Director" des Programms, eine Funktion, die abwechselnd von Wissenschaftlern der beteiligten Unis wahrgenommen wird.Maximal 45 Studenten aller Fachrichtungen können an dem Programm teilnehmen. Wendy Winet zum Beispiel kommt vom Middlebury College in Vermont und studiert Deutsch und Russisch.Mit den Seminaren, die sie an der FU und der Humboldt-Universität besucht, ist sie rundum zufrieden."Die Kurse sind nicht zu voll, und ich habe Glück mit den Professoren.Sie kümmern sich um die Studenten." Vom Stadtleben in Berlin mit seinen raschen Veränderungen zeigen sich alle Studenten fasziniert.Schließlich sind sie ein Campus-Leben gewöhnt, das zwar mehr soziale Aktivitäten innerhalb der Universität bietet, aber keine großstädtische Vielfalt."Ich mag Deutschland unheimlich", schwärmt Wendy Winet, und Clare Gillis (University of Chicago) betont jedes Wort: "Ich liebe Berlin".Und welche typisch deutsche Errungenschaft wird allen von ihnen im Gedächtnis bleiben? Einstimmig tönt die Antwort: "Döner Kebap!" Berlin Consortium for German Studies, Boltzmannstraße 4, 14195 Berlin, Telefon 838 22 60.Das Consortium sucht laufend Gastfamilien, die bereit sind, amerikanische Studenten für einige Wochen bei sich aufzunehmen.Im Augenblick fehlen noch Familien für die Zeit vom 24.Februar bis Ende März.Deutsche Studenten, die sich bewerben möchten, sollten bereits im Hauptstudium sein und über sehr gute Sprach- und Fachkenntnisse verfügen.

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