Gesundheit : Im Uni-Ring trifft nur die Linke

INGO BACH

Vor 50 Jahren entstand die erste christlich-demokratische Hochschulgruppe, Vorläufer des RCDS VON INGO BACH

Ob nun für Heiner Geißler oder Wolfgang Schäuble, den Kanzleramtsminister Friedrich Bohl oder Wissenschaftssenator Peter Radunski - im Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) fiel der Startschuß für so manche politische Karriere.Die Namen nennt Michael Kunert, von 1990 bis 1993 Landesvorsitzender des RCDS Berlin, mit einigem Stolz.Trotzdem wehrt er sich gegen den Begriff "Kaderschmiede".Aber eine gute Ausgangsposition für die politische Karriere, ja, die finde man hier schon. Seit nunmehr 50 Jahren ist die CDU-nahe Studentenorganisation in Berlin präsent und ist damit der älteste politische Studentenverband Deutschlands überhaupt.Der anfänglichen Entwicklung als CDU-Organisation folgte dann 1951 die bundesweite Konstituierung des RCDS "als eigenständige Studentenorganisation".Aber den Ruf als CDU-Partei-Zelle ist der RCDS bis heute nicht losgeworden.Und das liegt nicht nur an den politischen Karrieren, die hier begannen.Die personelle, finanzielle und ideelle Verzahnung mit der CDU ist eng.Man ist sich in den Grundpositionen einig, vor allem "im christlichen Wertekanon", sagt Kunert."Obwohl nicht mehr so viele Theologiestudenten kommen wie früher." Heute rekrutiert sich der RCDS vor allem aus den betriebswirtschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Fachbereichen. Für Kunert sind die personellen Verbindungen ein Vorteil: "Über die ehemaligen RCDS-Mitglieder in der CDU nehmen wir Einfluß auf die Hochschulgesetzgebung." Und auch die Partei verläßt sich auf ihre christlich-demokratischen Studenten.In den 80er Jahren prägte der damalige Generalsekretär Heiner Geißler den Begriff der "Speerspitze der CDU an den Universitäten".Der RCDS hat einen anderen Blickwinkel.Er verstehe sich eher als Speerspitze der Universitäten in der CDU, sagt Kunert. Es gibt auch inhaltliche Differenzen, denn wie die meisten studentischen Gruppen lehnt auch der RCDS die von konservativen Hochschulpolitikern geforderten Studiengebühren und Regelstudienzeiten ab.In der Regel funktioniert das Verhältnis zur CDU aber gut.Der RCDS ist generell auf Spenden angewiesen.Und die kommen zum größten Teil aus der Schatulle der CDU. Der Nachteil dieser engen Beziehung ist jedoch, daß der RCDS von den Studenten für die Politik der CDU verantwortlich gemacht wird.Seit 1968 werden die Studentenvertretungen der Berliner Universitäten von linken Studentengruppen dominiert.Daß der RCDS seit Jahrzehnnten in keinem Asta mehr mitgestalten darf, ist auch für Michael Kunert hart."Da kann man schon in die depressive Ecke geraten." Für ihn hat dieser Zustand jedoch vor allem strukturelle Gründe.Die Freie Universität, die seit Jahren den Ruf habe, besonders links zu sein, sei dafür ein Beispiel.Dort hätten sich besonders viele linke Studenten immatrikuliert, darunter viele Wehrdienstverweigerer, die ja nach Berlin gekommen seien, weil man hier nicht zur Bundeswehr mußte. Auch an der Humboldt-Universität, wo vor 50 Jahren die Wurzeln des RCDS geschlagen wurden, hat es der Ring nicht leicht.Von den 60 Sitzen im Studenten-Parlament hat der RCDS gerade mal zwei inne."Die ersten Jahrgänge der HU sind noch immer mehrheitlich Studenten, die aus der ehemaligen DDR stammen", sagt Kunert."Es ist sehr unwahrscheinlich, daß die den RCDS wählen." Das Verhältnis zu den linken Asten ist angespannt.In den Studentenvertretungen werde der RCDS bewußt ausgegrenzt, klagt Kunert."In den Finanzausschüssen wird keiner von uns geduldet.Dort ist man lieber unter sich und kann so unkontrolliert Studentenvertreter auf Asta-Kosten zu einem Kongreß nach Nicaragua schicken." Deshalb hat sich der RCDS als Forderung auf die Fahnen geschrieben, daß die verfaßte Studentenschaft nur noch ein hochschulpolitisches Mandat besitzt und kein allgemeinpolitisches mehr, die Studentenbeiträge also nur noch für soziale und hochschulpolitische Belange verwendet werden dürfen. Beide Seiten pflegen die jeweils andere als ihr Lieblingsfeindbild.RCDS-Wahlplakate seien von "indoktrinierten Linksradikalen" regelmäßig abgerissen worden."Umgekehrt kam das nie vor!", betont Kunert.Und manchmal gab es handfesten Ärger.Im Sommer 1990 brach man in die neu eingerichte RCDS-Geschäftsstelle im ehemaligen FDJ-Zentralratsgebäude ein und beschmierte die Wände mit Sprüchen wie "Nieder mit dem RCDS!" - unterschrieben war das ganze mit "Autonomie". Mehr Erfolg hat der RCDS mit seinen Serviceangeboten für Studenten."Wir betreiben den größten - computergestützten - Studienplatztauschdienst und eine Praktikumsbörse", sagt Kunert."Das kommt bei den Kommilitonen gut an, aber leider schlägt sich das nicht in den Wahlergebnissen nieder." Für die Zukunft wünscht sich Kunert mehr Zusammenarbeit zwischen den studentischen Gruppen.In den 80er Jahren habe die persönliche Zusammenarbeit mit einigen linken Asta-Vertretern an der FU ganz gut geklappt und man habe eine Menge erreichen können."Wir haben keine Berührungsängste, mit studentischen Gruppen zusammenzuarbeiten", betont Kunert.Der RCDS habe sogar schon Streikaktionen gemeinsam mit linken Gruppen getragen."Wir haben doch ein gemeinsames Ziel: die Studienbedingungen zu verbessern."

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