Gesundheit : Immer mehr Jugendliche in Deutschland rauchen regelmäßig

Christian Böhme

Immer mehr Jugendliche in Deutschland greifen regelmäßig zur Zigarette. Das Einstiegsalter liegt inzwischen schon bei zwölfeinhalb Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine vergleichende Studie im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO. In ganz Europa, den Vereinigten Staaten, Kanada und Israel wurden 1998 mehrere Tausend Jugendliche im Alter von elfeinhalb, zwölfeinhalb und dreizehneinhalb Jahren zum Zigarettenkonsum befragt. Die Ergebnisse sind jetzt in der neuen Ausgabe der AOK-Fachzeitschrift "Gesundheit und Gesellschaft" nachzulesen.

Eltern, Gesundheitspolitikern und Krankenkassen wird die Untersuchung einige Kopfschmerzen bereiten. Zum Beispiel gaben 13,5 Prozent der 13-jährigen Jungen und 12,8 Prozent der gleichaltrigen Mädchen an, gewohnheitsmäßig zu rauchen. Das waren im Vergleich zu 1994 sechs Prozent beziehungsweise vier Prozent mehr.

Nach Ansicht des Bielefelder Sozialwissenschaftlers Klaus Hurrelmann zeigt die Studie, dass die deutsche Präventionspolitik nicht ausreicht. "Zigaretten sind sehr leicht zu bekommen. Es gibt 800 000 Automaten. Das ist Weltrekord", kritisierte der Professor und deutsche Leiter des Forschungsprojektes im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Jedes Kind komme ohne weiteres an die schnell abhängig machenden Glimmstängel heran.

Schlimm wirkt sich laut Hurrelmann die Werbung aus. Jugendliche suchten nach Anerkennung. Diesem Trend trage die Werbung gezielt Rechnung. "Sie suggeriert: Rauchen wirkt gegen geringes Selbstwertgefühl Wunder." Wünschenswert sei es daher, dass nur noch für das Produkt selbst geworben werden darf. Ob so klar wird, dass die Freiheit zu rauchen ein Abenteuer mit schädlichem Ausgang ist?

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